The long walk down Memory Lane

Zum zweiten Mal auf unserer Reise regnete es – zum zweiten Mal waren wir dabei in Canmore. Im selben Canmore, in dem es vor zehn Jahren innerhalb eines ganzes Jahres gefühlte drei Mal geregnet hatte. Times have changed indeed…

Auf unserer Reise von Lake Louise nach Banff liessen wir am Montag den schnellen Highway 1 rechts liegen und fuhren stattdessen auf dem sehr viel weniger befahrenen Highway 1a mit gemütlichen 60 km/h nocheinmal durch die Einsamkeit der Wälder Kanadas. 55 Kilometer, auf denen wir für einmal kaum andere Autos hinter uns sammelten, trotzdem ab und zu anhielten und die Wagen eines vorbeifahrenden Zugs zählten (nur 117 – das war wohl noch ein junges Exemplar seiner Gattung), Fotos machten, Laura kennenlernten, die derzeit das Leben und die Geschichte eines Forschers untersucht, welcher als Erster die in den Rocky Mountains heimischen Tiere akustisch dokumentierte und traurig waren, als der kleine Ausflug auf die ruhige Strasse vorbei war und wir wieder in den schnellen und geschäftigen Highway 1 einbogen.

In Banff machten wir Halt – ich musste Dorian unbedingt noch den Sushi Train zeigen, diese kleine Sushi Bar, in welcher ein Zug mit feinen Leckereien auf der Theke herumfährt und einen verköstigt.

Canmore empfing uns mit ganzen 34 Grad und wir hüpften schnell in den eiskalten Bach hinter unserem Häuschen.

Am Abend kam Ryoko zu Besuch. Der Regen hatte die Luft angenehm abgekühlt und wir sassen draussen, tranken Bier und schauten dem Bach beim Plätschern zu.

Am Dienstag Vormittag stolperten wir ein wenig durch Downtown Canmore, suchten bei der einen Autogarage nach den alten, vor sich hin rottenden Autos und fanden sie!

Am Mittag – wir hatten im Grizzly Paw Pub gerade unser Mittagessen bestellt – erhielten wir eine Nachricht von Phil, welcher nachfragte, ob wir mit ihm, Jay und dessen Tochter Maeryn zum Paddleboarden kommen würden. Wir assen schnell fertig, liefen zurück zum Campingplatz, machten unser Haus fahrtüchtig und fuhren hoch zum Canmore Reservoir, einem See etwas oberhalb des Städtchens.

Zuerst regnete es noch. Da wir jedoch unser Haus dabei hatten, quetschten wir uns alle fünf in den kleinen Camper, tranken ein Bier und warteten auf besseres Wetter. Dieses liess dann auch nicht allzu lange auf sich warten und wir machten uns auf zum See. Auch das Treffen mit den beiden Kanadiern und Maeryn war, als wäre ich gar nie fortgewesen…

Dorian und ich standen vorher beide noch nie auf einem Paddleboard. Ausgerüstet mit Schwimmwesten und Ruder wateten wir in den kalten See, hüpften auf die Bretter und paddelten los, Dorian stehend auf seinem, ich kniend auf meinem Brett. Es war super, wenn auch etwas anstrengend: solange man ruderte war alles gut. Hörte man jedoch auf, trieb man im Eiltempo zurück ans Ufer und konnte von vorne anfangen… Etwas überrascht stellte ich zudem fest, dass ich auch auf einem Paddleboard auf einem vergleichsweise ruhigen Gewässer nicht ganz seetauglich bin. Ich liess mich also bald von der Strömung zurück ans Ufer treiben und begnügte mich mit der Aufgabe der Fotografin – diese liegt mir definitiv besser.

Den Dienstag Abend verbrachten wir mit Phil, seiner Freundin Noriko und seinem Sohn Mikki im wunderbaren Trough Restaurant bei herrlichem Speis und Trank.

Nach einer unruhigen Nacht (Regen klingt auf einem Camperdach eher nach Kanonendonner) machten wir uns am Mittwoch Vormittag zu Fuss auf meinen ehemaligen Arbeitsweg und besuchten Ryoko in der Rocky Mountain Soap Company. Sie arbeitet dort in der Produktion und machte mit uns einen privaten Rundgang durch die Firma. Und es roch sooooo gut!!!

In Canmore fährt mittlerweile auch ein Bus und so liessen wir uns gemütlich wieder nach Downtown chauffieren. Dort statteten wir dem Laden der Rocky Mountain Soap Company einen Besuch ab und stockten unsere Vorräte an Seife und Handcreme wohl für die nächsten paar Jahre auf.

Am Abend assen wir mit Ryoko und ihrer Familie im Mii Restaurant Sushi. Ryokos Mutter ist derzeit aus Japan zu Besuch und es war toll, auch sie wieder zu sehen!

Der Abschied von der Familie und vorallem von Ryoko selbst fiel uns besonders schwer! Ich hoffe fest, dass es bis zu unserem nächsten Wiedersehen nicht allzu lange dauert!

Gestern morgen packten wir die restlichen Sachen zusammen, räumten unseren Camper auf, leerten alle Wassertanks und fuhren ein bisschen verspätet und dafür mit ordentlich Bleifuss zurück nach Airdrie nördlich von Calgary. Die Rückgabe des Campers lief ohne Probleme und auch für das eine zerbrochene Schüsselchen und die verschwundene Fliegenklatsche (wir haben KEINE Ahnung, wo die geblieben ist) wurde uns nichts verrechnet.

Mit einem Shuttle ging es zurück zum Flughafen, wo wir sehr lange am Check-in warteten, sehr schnell durch die Security kamen und unheimlich lecker assen. Der Flieger hatte Verspätung und wir waren während des Flugs auf allen Seiten umgeben von lauten Kindern in jeder Altersgruppe – meine ganz persönliche Traumsituation… nicht!

Nun sind wir wieder daheim. Hier ist es auch heiss. Dank der höheren Luftfeuchtigkeit fühlt es sich jedoch um einiges heisser an als in Canmore und uns läuft der Schweiss in Strömen…

Wir sind sehr müde, aber erfüllt von all den tollen Erlebnissen der letzten Wochen! Und wir sind uns einig: da müssen wir unbedingt wieder hin!

Aussicht vom Highway 1a ins Grüne

Some things never change!

Paddleboarding & swimming à la Canmore mit (von links nach rechts) Dorian, Jay und Phil

Abendessen mit Dorian, Mikki, Noriko und Phil

Symbolbild Canmore

Einer der vielen frei herumhoppelnden Hasen in Canmore

333 Grotto Road – my old home

Seife soweit das Auge reicht (@Rocky Mountain Soap Company)

Abschiedsbild mit Familie Ikeda, Mama Hamaji und uns beiden

Abschiedsbild meiner Lieblingsberge

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Alberta Alberta – where you’ve been so long? – Part II

Weiter ging unsere Reise bis nach Lake Louise.

Wir blieben auf dem Icefield Parkway, bremsten zweimal für sehr schnelle und sehr winzige Eichhörnchen und einmal für einen etwas verwirrten und zotteligen Schwarzbären, hielten am mit Menschen komplett überlaufenen Peyto Lake und genossen ansonsten die Weite und Ruhe und Einsamkeit entlang der Strasse.

Alberta ist anders als British Columbia: bergiger, felsiger, waldiger, einsamer, natürlicher, wilder, wässriger, gletschriger, waldiger und bäriger. Und wunderschön. Und für mich ein bisschen wie heimzukommen. Und nicht mehr richtig wegzuwollen. Und dennoch Heimweh zu haben, nach dem eigenen Bett und einer anständigen Dusche, nach Familie und Freunden und nach gewohntem Essen und weniger Angst vor Bären.

Hier spüre ich eine innere Unentschlossenheit, an welche ich mich noch gut erinnern kann: vor zehn Jahren ging es mir ähnlich und obwohl ich es nicht bereue, zurückgegangen zu sein und mich in der Schweiz mehr als nur daheim fühle, bleibt trotzdem eine kleine Stimme in meinem Kopf, welche immer wieder fragt: „Was wäre wenn? Wenn Du wiederkommen würdest, diesmal um zu bleiben?“

Der Campingplatz in Lake Louise ist ebenfalls riesig, unser Stellplatz jedoch nicht ganz so einsam gelegen. Wir haben wieder Strom und auch zur Dusche muss man nicht mehr zehn Minuten durch den Wald stolpern.

Wir haben vor dem Essen einen kleinen Spaziergang gemacht. Der hintere Teil des Platzes ist wiederum sehr waldig und wir konnten immer wieder Chipmunks und Eichhörnchen beobachten und sahen einmal, wie sich ein Eichhörnchen und ein Wiesel recht heftig gegenseitig die Leviten lasen.

Zum Abendessen gab es Fertigpizza und Bier. Somit haben wir nun – ausser der Camperdusche – alles einmal ausprobiert, was wir haben. Auf gute Küchengeräte und eine anständige Toilette freue ich mich jedoch ungemein!

Geschlafen haben wir beide nicht wahnsinnig gut. Auch nachts fahren hier viele Züge durch. Es läuft stets nach dem gleichen Muster ab: von Weitem hört man ein Brummeln, das immer lauter wird. Auf Höhe des Campingplatzes ertönt das Zugshorn drei- bis viermal. Danach ist ,an richtig wach und hört das gleichmässige Rauschen von hundert bis zweihundert Wagen, welche sich laaangsaaam fortbewegen. Zum Finale rattern noch zwei bis drei Lokomotiven vorbei, bevor man noch eine gefühlte Ewigkeit ein sehr langsam leiser werdendes Rauschen hört. …und bald darauf fängt das ganze Spiel wieder von vorne an…

Wenn man nachts wachliegt, sieht man dafür den Mond in seiner ganzen Pracht – das hilft über vieles hinweg!

Heute geht unsere Fahrt weiter bis Canmore, wo wir noch die letzten Tage unserer Reise verbringen werden.

Besuch beim Abendessen in Jasper

Panorama mit Athabasca Pass

Panorama mit Gletscher

Columbia Icefield

Somewhere along the road

Peyto Lake

Such a cutie!

Mondfotografierungsversuch

Back to Alberta & back to the woods

Die Fahrt führte von Clearwater zurück nach Alberta, zurück in die Berge und zurück in den Wald.

Hatte ich auf Vancouver Island noch den Eindruck eines einsam gelegenen Campingplatzes, so habe ich mich getäuscht: der Whistlers Campground in Jasper ist nochmal ein ganz anderes Kaliber!

Zum ersten Mal haben wir einen Stellplatz ohne Wasser und Strom, zum ersten Mal einen ganzen Campingplatz komplett ohne Internet (gar keines, auch kein wackeliges). Der ganze Platz ist riesig und weitläufig, wir sind umgeben von Birken und Tannen, können schier im Minutentakt Eichhörnchen beobachten und sahen ein paar Meter von unserem Platz entfernt eine Rehmutter, die gerade ihre Jungen säugte. Es ist so herrlich ruhig hier, dass wir letzte Nacht sage und schreibe elfeinviertel Stunden durchgeschlafen haben – sooo herrlich!

Wir bleiben noch eine weitere Nacht hier und sind heute nach Jasper gewandert, haben feine Sachen gegessen und das Städtchen angeschaut. Hier – irgendwo am Strassenrand im Schatten – habe ich auch Internet entdeckt. Und nun gehen wir wieder zurück in den Wald, schalten unsere Handys aus und geniessen die Ruhe…

North Thompson River

What a view!

Whistlers Campground – Aussicht des Tages

Erneut einsamer Camper im Wald

Rehfütterung vor der Haustüre

Badepausen

Unsere Reise führte weiter von Vancouver nach Lillooet.

In Squamish gab es Sushi zum Mittagessen, am supertouristischen Whistler sind wir nur vorbeigerauscht. Nach einem Tankstop in Pemberton fuhren wir über eine weitere enge und äusserst kurvige Strasse, bergauf und bergab, vorbei an idyllischen Seen und wilden Flüssen, mit Ausblick in unendlich scheinende Wälder und ohne einer Menschenseele zu begegnen. Schweisstreibend war’s! Aber wiederum auch wunderschön!

Susan, welche uns auf dem Campingplatz in Empfang nahm, erzählte mir sogleich einiges Interessantes über Lillooet und sich selbst. Dank ihr und einer Touristenbroschüre kam ich zu folgendem Wissen:

  • Auf dem Fraser Cove Campingplatz in Lillooet gibt es keine Mücken. Unter der nahe gelegenen alten Brücke leben 12 verschiedene Arten Fledermäuse. Diese fressen nachts zwischen 600 und 800 Mücken pro Minute. Prompt wurde ich dann auch von einem dieser inexistenten Viecher in den Kopf gestochen…
  • Lillooet war mal eine Goldgräberstadt. In ihren besten Zeiten zählte sie ganze 16’000 Einwohner und war damit die grösste Siedlung nördlich von San Francisco. Heute wohnen gerade mal noch 2’324 Personen im kleinen Städtchen.
  • Die Goldgräber nutzten Kamele als Arbeitstiere, da diese mit der Hitze und der Trockenheit im Tal gut zurecht kamen. Allerdings waren die Hufe der Tiere weniger robust als die von Pferden, was wiederum zu Problemen führte.
  • Die Familie von Susans Eltern wanderte von England nach Kanada ein. Im Jahr 1912 bemühten sich ihre Grosseltern mitsamt ihren 15 Kindern um Tickets für die Überfahrt mit der Titanic, erhielten jedoch keine mehr und nahmen ein anderes Schiff. Da war wohl auch der eine oder andere Schutzengel im Spiel…

Heiss ist es hier allemal! Bei unserer Ankunft mass unser Camper eine Innentemperatur von knapp 34 Grad Celsius. Zu allem Übel ist auch noch unsere Klimaanlage ausgestiegen…

Also warfen wir uns in unsere Badekluft und hüpften mit den letzten Sonnenstrahlen kurzerhand in den Fraser River, einen wild gugelnden Fluss direkt vor unserer heutigen Haustür. Unterhalb unseres Campingplatzes bildet dieser eine kleine Bucht, in welcher man sorglos ein wenig ins Wasser eintauchen kann. Dieses ist eiskalt und herrlich erfrischend!

Nach einer erstaunlich angenehmen, kühlen Nacht fuhren wir gestern weiter bis Clearwater.

In Kamloops gibt es eine Niederlassung unserer Campervermietung und wir liessen dort unsere Klimaanlage reparieren.

Nun sind wir an einem weiteren heissen Ort, mit einem weiteren kühlen See direkt vor der Nase und in unserem rollenden Heim surrt wieder die Klimaanlage. Das Bad war erneut herrlich erfrischend und der Sonnenuntergang wunderschön!

So schön, dass wir erneut einen Tag Fahrpause machten und heute vorallem lasen und badeten. Morgen geht es weiter bis Jasper…

Highway to Lillooet

Lillooet-Panorama mit Fledemausbrücke

Pavilion Lake – 1’000 shades of green and blue

My favourite view of the day

Dutchlake Sunset

Off the woods and into Vancouver again

Auch die letzten Tage auf Vancouver Island genossen wir in vollen Zügen!

Am Samstag wanderten wir in die Halfmoon Bay und spazierten am kleinen Strand entlang, sammelten Muscheln und kraxelten auf einem Fels im Meer herum.

Am Sonntag hat Dorian eine Surflektion gebucht und ich durfte zum Zuschauen mit. Wir fuhren zum Long Beach zwischen Ucluelet und Tofino, einem schier unglaublich laaangen Strand, welcher ein sehr beliebter Spot für Surfer aus aller Welt ist.

Ich filmte fleissig Dorians Erstversuche und jubelte freudig mit! Das Video ist leider zu gross für meinen Blog, daher gibt’s hier nur ein paar Fotos…

Auch mein Liebster kam noch zu seiner Begegnung mit einem Bären: heute Morgen – ich war noch beim Frühstück im Camper – sass Dorian mit einer Tasse Kaffee und seiner Morgenzigarette draussen. Als er sich ein wenig abdrehte, stand etwa zwei Meter hinter ihm direkt neben unserem Camper ein Schwarzbär und schaute ihn an. Dorian sprang auf, rief laut „Bear!“ und ich lugte aus unserem Küchenfenster und sah gerade noch das zottelige Hinterteil der Tiers im Wald verschwinden. Das Tier ist wohl gleichermassen erschrocken wie Dorian selbst… Immerhin waren nach seinem Warnruf dann auch unsere Nachbarn wach und im Wald wurde es lauter und bärenfeindlicher.

Danach fuhren wir wieder los. Über die kurvige Strasse, welche ein bisschen ausschaut, als hätte jemand einfach ein Band über die Hügel gelegt, fuhren wir in Richtung Nanaimo, trafen in einem Wald zwei Schweizer, hielten im Cathedral Grove und spazierten durch den Regenwald mit seinen uralten, riesig hohen Bäumen, deckten uns im Supermarkt von Nanaimo mit den nötigsten Sachen ein und gelangten viel zu früh zum Ferry Terminal. Wir hatten einen Platz in der Fähre um acht Uhr gebucht und es war gerade mal vier Uhr.

Wir erkundigten uns, ob wir mit einer früheren Fähre mitfahren können und wurden auf eine Standby-Spur verwiesen. Das erste Schiff fuhr ohne uns los, für das zweite schaute es gut aus! Geplant war dieAbfahrt um viertel vor sechs und tatsächlich konnten wir um fast viertel nach sechs in den Bauch der Fähre fahren und jubelten bereits darüber, dass wir nun doch nicht ganz sooo spät in Horseshoe Bay ankommen würden.

Falsch gedacht: zuerst kam einen Lautsprecherdurchsage mit der Frage, ob sich ein Arzt an Bord befände. Nach etwa einem Viertel der Strecke fuhr das Schiff dann plötzlich rückwärts und wir fuhren zurück nach Nanaimo. Der medizinische Notfall stellte sich als dringend heraus und die Person wurde auf Vancouver Island von einem Arzt erwartet.

Mit nunmehr fast zwei Stunden Verspätung legten wir ein zweites mal ab und landeten fast gleichzeitig in Nanaimo, wie unsere ursprünglich gebuchte Fähre. Eine andere Passagierin hat die Umstände auf den Punkt gebracht: „It’s gonna be an extended cruise!“ Recht hatte sie… Dafür wurden wir jedoch mit einem atemberaubend schönen Sonnenuntergang auf dem offenen Meer belohnt!

Nun sind wir zurück in Vancouver auf dem gleichen Campingplatz wie auch schon. Um uns herum surrt der Verkehr, die Camper stehen dicht an dicht und irgendwo piept konstant ein Alarm. Ich kämpfe mit einer leichten Migräne und hätte gerade nichts gegen ein Stück Wald auf einer gewissen Insel einzuwenden…

Way out to Halfmoon Bay

Halfmoon Bay Panorama I

Halfmoon Bay Panorama II

Surf Instructions

Weehee!!!

Looong Beach

Sprout Lake

Cathedral Grove I

Cathedral Grove II

Cathedral Grove III

Wiedergutmachungssonnenuntergang – proudly presented by BC Ferries

Living the island life

Seit Montag wohnen wir im Wald.

Der Campingplatz ist weitläufig und wir haben einen ruhigen Platz für uns alleine, gedeckt von einem dichten Blätter- und Nadeldach mit Ausblick in den dunklen Wald.

Tagsüber hört man ab und zu Geräusche der Nachbarn, manchmal schreit ein Kind oder es bellt ein Hund oder jemand spielt leise Gitarre und singt dazu (leider manchmal gar nicht so leise). Nachts ist es mucksmäuschenstill, einzig der Wind weht manchmal ein paar dürre Tannennadeln auf unser Dach.

Wer durch den Wald geht ist angehalten, Geräusche zu machen, um die Bären fernzuhalten. So laufen die Meisten klatschend durch die Gegend oder schreien ein wenig herum. Einmal nach dem Duschen – ich war bereits wieder im Camper und hängte die nassen Tücher auf – hörte ich jemanden rufen: „Bear!“ Ich öffnete alle Rollläden, schaute raus und sah… nichts. Also ging ich zur Tür, öffnete sie einen Spalt und sah, wie ein Schwarzbär langsam und bedächtig unseren Nachbarsplatz überquerte – beeindruckend und creepy zugleich!

Beachtet hat mich das Tier nicht. Und auch Dorian, der erst kurz nachher laut klatschend daherkam, hat von dem kleinen Spektakel nichts mitbekommen.

Heute Vormittag fuhren wir mit dem Taxi nach Ucluelet – Whale Watching stand auf dem Programm! Zuerst erhielten wir alle eine Schwimmweste ausgehändigt und bestiegen ein kleines Boot mit einer gedeckten Kabine.

Wir fuhren durch den ruhigen Hafen und raus auf das offene Meer. Die Wellen waren recht hoch und ich fühlte mich nicht besonders. Irgendwo im Nirgenwo hielten wir an und konnten während fast einer Stunde eine Gruppe von etwa neun Killerwalen beobachten. Die riesigen Tiere schwammen mit unserem Boot, tauchten immer mal wieder auf, sprühten ihre kleinen Fontänen aus und tauchten wieder unter – ein Wahnsinnsspektakel, welches mich jegliche komischen Gefühle in der Magengegend sofort vergessen liess!

Auf dem Weg zurück kämpfte unser Boot gegen die fast drei Meter hohen Wellen an und ich wurde so richtig seekrank. Speitüte in der einen Hand, Dorians Hand in der anderen, Augen geschlossen, durch die Nase einatmen und durch den Mund wieder aus. Zuerst kribbelten die Hände, dann verkrampften sich die Finger, dazu war mir sterbenselend – wirklich kein schöner Moment…

Zurück im ruhigen Wasser des Hafens war dann schnell wieder alles besser. Dennoch war ich IMMENS froh, als ich wieder einen Boden unter den Füssen hatte, der nicht dauernd schaukelt…

Zurück in Ucluelet statteten wir dem Supermarkt einen weiteren Besuch ab und assen Fish & Chips und Riesencrevetten im Bierteig, bevor wir wiederum mit dem Taxi den Rückweg antraten.

Ein bisschen flau im Magen ist mir immernoch. Die Speitüte habe ich behalten, als Erinnerung daran, so einen Ausflug nie wieder mitzumachen…

Ansonsten plätschert das Leben hier sehr gemütlich und bedächtig vor sich hin: wir machen lange Spaziergänge zum Strand oder nach Ucluelet zum Einkaufen, essen in einer kleinen Bar in der Nähe allerlei Leckereien aus dem Meer, lesen und schlafen viel und freuen uns an der Ruhe und dem Frieden, die hier herrschen.

Wanderweg im Wald

Strandpanorama I

Strandpanorama II

Picknickspot du jour

Art by Nature

Tree in tree

Warten auf die Bootstour mit Krähe (und Boot hinten links)

Really free Willy

Essen mit stabilem Boden unter den Füssen

Vancouver & off to the woods

Gestern hatten wir einen reisefreien Tag und fuhren mit dem Bus nach Downtown Vancouver.

Es ist ein spezieller Ort: eine Grossstadt, welche gleichzeitig am Meer und in den Bergen liegt, wo alles geschäftig vor sich geht und gleichzeitig immer eine frische Meeresbrise weht und die Möwen lachen.

Wir liefen durch die Strassen, assen Sushi, überquerten eine grosse Brücke und besuchten das McMillan Space Center, wo wir einen Vortrag über unser Sonnensystem schauten und über die Winzigkeit der Erde staunten.

Danach wollten wir mit einem Taxi zurück zu unserem Campingplatz. Der Taxifahrer erklärte uns, dass es auf der Lions Gate Bridge einen Unfall gegeben hatte und man dort nicht durchkommen würde. Nach längerem Hin und Her war er jedoch bereit, uns in die Nähe der Brücke zu fahren, damit wir diese zu Fuss überqueren konnten.

Er lud uns also am Ende des Stadtzentrums ab und wir liefen los – einmal quer durch den Stanley Park und über besagte Brücke. Der Verkehr lief ganz flüssig neben uns her, veranstaltete eine abgasgeschwängerte Geräuschkulisse und wir begannen uns zu fragen, ob der Taxifahrer wohl einfach keine Lust auf die Fahrt gehabt hatte…

Die Strecke zieht sich, die Brücke schwingt stets mit, wir liefen an der Sonne, waren bald verschwitzt und staunten immer mal wieder über die Gegend. Im Park direkt neben der Strasse beginnt ein dichter und wild überwucherter Wald, die Brücke ist ein überaus beeindruckendes Gebilde und die Aussicht von da oben einfach umwerfend!

Danach rannten wir aus Mangel an Alternativen durch einen japanischen Supermarkt, kauften alles für Pasta Bolo ein und rannten zurück zum Campingplatz, wo wir gleich mit kochen begannen. Wir erwarteten nämlich Besuch von meinem ehemaligen Arbeitskollegen Quinn, welcher mittlerweile in Vancouver wohnt.

Dieser wurde bei der Arbeit noch aufgehalten und kam erst viel später als erwartet – jedoch war auch hier die Wiedersehensfreude riesengross! Wir assen Pasta, tranken Bier und redeten bis spät in die Nacht – auch hier war es, als hätten wir uns erst gestern zum letzten Mal gesehen…

Nach einer sehr kurzen Nacht machten wir uns heute Morgen früh auf nach Horseshoe Bay, wo wir die Fähre um 6.30 Uhr nach Nanaimo auf Vancouver Island schnappten. Die Überfahrt dauert knapp zwei Stunden und bietet spektakulär schöne Ausblicke auf die umliegenden Inseln und das Meer.

In Nanaimo deckten wir uns in einem Supermarkt mit Essbarem ein und fuhren über eher enge, dafür aber abenteuerlich kurvige Strassen nach Westen – eine durchwegs schweisstreibende Angelegenheit!

Unser Campingplatz liegt in der Nähe von Ucluelet mitten im Wald. Bei der Anmeldung an der Reception erklärte mir ein sehr bärtiger und langhaariger Mann, dass man hier täglich mehrmals Besuch von Bären bekommen kann und dass wir auf keinen Fall Essbares liegen lassen und im Zweifelsfall Lärm machen sollen, damit die Tiere verschwinden. Dass wir uns für ganze sieben Nächte hier eingebucht haben stimmt mich nun nicht gerade entspannt…

Dafür ist es aber schön ruhig im Wald und das hat ja auch seinen Reiz! Wir holen wohl erstmal eine Runde Schlaf nach, bevor wir die Gegend um uns herum erkunden…

Dörel in Space (mal wieder)

Irgendwo im Stanley Park

View from the Bridge

Lions Gate Bridge

Found another friend, enjoyed some pasta and chats

Müder Morgenselfie auf der Fähre

Aussicht aus der Horseshoe Bay

Irgendwo im Nirgendwo

Einsamer Camper im Wald

On the road to Vancouver

Gestern fuhren wir von Revelstoke bis Merritt.

Die Fahrt war anstrengend – mein Mann entdeckte einen gewissen Hang zum Bleifuss, ich hatte meinerseits nicht besonders gut geschlafen und war dementsprechend müde – eine schwierige Kombination für den Ehefrieden…

Merritt empfing uns heiss und windig. Der Wind war ebenfalls warm und wir schlossen als erstes den Strom an unseren Camper an, starteten die Klimaanlage und beobachteten aus dem Fenster das fröhliche Treiben um uns herum.

Ein Campingplatz ist ein buntes Sammelsurium von allerlei lustigen Zeitgenossen mit ihren rollenden Häusern – von klein und fein bis riesig und protzig. Hier wird stolz zur Schau gestellt, was man hat: manche bringen ihre Zimmerpflanzen mit, andere haben an der Aussenseite des Campers einen Fernseher eingebaut, wiederum andere reisen gleich mit einem umgebauten Greyhound-Bus an – der Fantasie sind beim richtigen Budget wohl keine Grenzen gesetzt…

Wir staunen immer mal wieder fasziniert in die Runde und zumindest auf der Strasse ich bin froh, dass unser Gefährt eine überschaubare Grösse hat. Auch zum Wohnen ist es angenehm: auf kleinem Raum findet sich alles, was man braucht von Essecke über Küche und viel Stauraum bis hin zu einem gemütlichen Nachtlager.

Nach einer erholsamen Nacht ging die Reise heute dann bis nach Vancouver weiter. Die Berge wurden zusehends niedriger, die Täler weiter, die Felder grösser und die Flüsse breiter – bis wir schliesslich durch den geschäftigen Stadtverkehr und über beeindruckende Brücken zu unserem Campingplatz in North Vancouver gelangten. Dieser liegt ganz in der Nähe der Lions Gate Bridge, welche man von hier aus sogar ein bisschen sieht. Es ist immer noch heiss, jedoch liegt etwas frisches in der Luft und sie riecht ein bisschen nach Meer.

Als erstes zeigten wir uns häuslich, haben Kleider gewaschen, den Camper gewischt und das Bett frisch bezogen. Ich bin ganz stolz auf meine improvisierte Wäscheleine! Nun kochen wir Pasta und freuen uns auf den morgigen Tag in der Stadt.

View of the day I

View of the day II

Ein kleines, rollendes Eigenheim auf dem hiesigen Campingplatz

Waschtag

Alberta Alberta – where you’ve been so long?

Wir sind in Kanada!!!

Eigentlich fehlen mir gerade ein bisschen die Worte… aber ich versuch’s trotzdem mal:

Am Sonntag flogen mein Liebster und ich von Zürich nach Calgary. Der Flug war lang und anstrengend, jedoch auch ruhig und schön. Die unglaubliche Weite Kanadas ist halt auch aus der Luft schon beeindruckend und wunderschön!

Wir landeten gegen Abend, wurden am Flughafen abgeholt und merkten sofort, dass die kanadischen Minuten immernoch ziemlich genau doppelt so lange wie die schweizerischen dauern: statt nach den angekündigten 15 Minuten war der Fahrer exakt 30 Minuten später da…

Im Hotel fielen wir müde ins Bett und schliefen erst einmal zehn Stunden durch. Nach dem Frühstück wurden wir wiederum abgeholt und zu unserer Campervermietung nach Airdrie gebracht. Die hatte am Montag den „busiest day of the year“ und so warteten wir zusammen mit vielen anderen, bis alles geregelt war und wir losfahren konnten. Wir erhielten eine komplette Instruktion für unser Gefährt und wagten uns bald damit auf die Strasse.

Zuerst fuhren wir rund um Calgary zu meinem ehemaligen Chef Harry und seiner Frau Daniela. Harry führt mittlerweile das Restaurant der Big Rock Brewery, der grössten Craft Brauerei Kanadas. Wir assen in fröhlicher Runde Suppe und Meat Pie und feierten unser Wiedersehen nach fast 10 Jahren!

Weiter ging’s dann Richtung Westen, endlich nach Canmore, auf welches ich mich sooo lange gefreut habe! Die Fahrt war toll: auch am Boden ist die schier unendliche Weite von Land und Himmel ein Erlebnis sondergleichen und ich habe sooo Freude, endlich wieder hier zu sein!!!

Canmore empfing uns mit strahlendem Sonnenschein. Nach einer kurzen Sightseeingtour durch mein ehemaliges Wohnquartier fuhren wir zum Supermarkt, deckten uns mit dem Nötigsten ein und trafen gegen sechs Uhr auf unserem Campingplatz ein. Hier haben wir einen Platz direkt am Ufer des Spring Creek (einem kleinen Nebenfluss des Bow River) mit herrlichstem Blick auf die Three Sisters – wunderbar!

Wir erhielten Besuch von Ryoko – die Wiedersehensfreude war riesig!!!

Zum Abendessen gab es Fleisch und Salat aus der Camperküche, unser Heim roch danach etwas streng…

Am Dienstag Morgen wurde ich von Ryoko zum obligaten Girl’s Day im Spa des Banff Springs Hotel abgeholt. Und während Dorian in Canmore den Camper einrichtete, Holz hackte und sich in einem Pub mit Burger, Bier und Fussball verpflegte, liessen wir uns ordentlich durchkneten und redeten über Gott und die Welt. Die besten Freundschaften sind eben die, bei denen auch nach Jahren des Nicht-Sehens alles gleich wieder so vertraut und schön ist wie früher!

Am frühen Nachmittag schlugen wir uns im Sushi Train (eine winzige Bar, auf deren Theke eine Mini-Version des Canadian Pacific Railway, beladen mit allerlei japanischen Leckereien fährt) die Bäuche mit rohem Fisch voll und fuhren wieder zurück nach Canmore.

Am Abend assen wir gemeinsam mit Ryoko in einem brasilianischen Restaurant Unmengen an Fleisch und leckeren Salaten. Alle paar Minuten kam jemand mit einem langen Grillspiess zu unserem Tisch und schnitt ein kleines Stück auf unsere Teller. Man kann essen, soviel man will und wir wollten viel!

Das Bett hier im Camper ist hart und nicht wahnsinnig bequem. Wir haben beide einen verspannten Rücken und Nacken und ich hoffe fest, dass wir uns daran noch etwas besser gewöhnen können.

Gestern hat sich Dorian aufgemacht und ging zurück ins Dorf, um das Fussballspiel zu schauen. Ich blieb derweil beim Camper, richtete meine Sachen ein und kam endlich an. Mein Jetlag ist immernoch da und ich war trotz aller Glückseeligkeit vorallem müde…

Gestern Abend waren wir bei Ryoko zum Essen eingeladen. Karin, ihre ältere Tochter, feierte ihren sechsten Geburtstag und es gab allerlei japanische Köstlichkeiten mit Reis, Fisch und Gemüse – ein kulinarischer Hochgenuss vom Feinsten (obwohl sie meinte, es sei nur etwas ganz Einfaches…)!

Heute ging unsere Reise dann weiter Richtung Westen. Wir verstauten alles so sicher wie möglich, statteten dem Supermarkt nochmal einen Besuch ab und fuhren los. Dorian fuhr zum ersten Mal in seinem Leben Camper und ich durfte einfach mitfahren und das Panorama geniessen…

Durch scheinbar unendlich weite Wälder und vorbei an unzähligen Seen, Bergen und endlos laaangen Zügen führte unser Weg vorbei an Banff und Lake Louise, durch das Kicking Horse Valley und über den Rogers Pass nach Revelstoke – es war sooo schööön!!! Habe ich die unglaubliche Weite dieses Landes schon erwähnt?

Hier wohnen wir auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe eines Sees und haben zum ersten Mal ordentliches Internet. Es ist heiss und wir sind dankbar für die vielen Bäume auf dem Platz. Wir hoffen auf eine weitere angenehm kühle Nacht.

Morning view from bed

Found a friend, enjoyed a day at the spa

Häkelkunst am WC

What a view I

What a view II

Somewhere on the road I

Somewhere on the road II

Being Tourists

Dörel the camper

Heimatland! – Kanton Schaffhausen

An diesem Wochenende ging unsere Schweizerreise in die nächste Runde: der Kanton Schaffhausen stand auf dem Programm und ich war mit organisieren dran.

Hinsichtlich der vielen Dinge, welche in den nächsten Monaten auf uns zukommen, entschied ich mich für ein eher schlankes Programm, welches uns auch noch einige Zeit daheim liess.

Gestern Mittag fuhren wir mit dem Zug nach Schaffhausen selbst. Die Kleinstadt ist der Kantonshauptort und beherbergt um die 35’000 Einwohner.

Ich war bereits ein paarmal dort und immer war ich vorallem von Schaffhausens wunderschöner Altstadt fasziniert. Die vielen Erker, bunten Fassaden und verschlungenen Gässchen haben es mir schon lange angetan. So fiel dann die Wahl für ein Programm auch sehr schnell auf diesen Ort.

Pünktlich um zwei Uhr trafen wir uns bei schönstem Wetter vor dem Tourist Office in einer kleinen Gruppe zu einer Stadtführung. Unsere Stadtführerin führte uns in gut 5/4 Stunden durch die Altstadt. Erste Station war das ehemalige Kloster Allerheiligen mit der grössten romanischen Kirche der Schweiz, einem wunderbaren Klostergarten und der Schillerglocke. Letztere inspirierte Friedrich Schiller – welcher selbst nie in Schaffhausen war, jedoch von der Glocke hörte und fasziniert von ihr war – zu seinem Gedicht „Das Lied der Glocke“. Die Glocke hat Risse und es fehlt ein Stück, dennoch ist sie in ihrer Grösse und Form überaus beeindruckend: sie wiegt sage und schreibe 4.5 Tonnen!

Die vielen berühmten Erker (171 Stück) finden sich vorallem im oberen Teil der Altstadt. Dort wohnten früher die wohlhabenderen Leute und der Bau eines Erkers war oft auch ein Statussymbol. Je nach Grösse, Form und Aufwand war eine Familie eben mehr oder weniger wohlhabend. So gibt es von Exemplaren, welche vom Boden bis unters Dach reichen und üppig verziert sind bis hin zu einfachen Holzkästen ohne jegliche Schnörkel alle möglichen Erscheinungsformen. Im unteren Teil der Altstadt sieht man sie nur vereinzelt, dafür gibt es dort aber wesentlich mehr kleine Restaurants und Bars und es geht dementsprechend laut und fröhlich zu und her.

Schaffhausen profitierte in früheren Zeiten von einer Eigenart des Rheins, welche der Stadt zu einigem Reichtum verhalf: kurz nach Schaffhausen gibt es nämlich einige Stromschnellen und schlussendlich bei Neuhausen den berühmten Rheinfall, welche den Fluss für Schiffe an dieser Stelle unpassierbar machen. Der Warentransport auf dem Wasserweg vom Bodensee nach Basel und umgekehrt florierte jedoch in dieser Zeit und so musste eine Lösung her. Schaffhausen transportierte also die Waren auf dem Landweg. Dieser führte mitten durch die Stadt, an welcher Ende eine grosse Waage stand, wo jeder Händler einen Warenzoll nach Gewicht zu entrichten hatte. Irgendwann wurde dann eine Eisenbahnlinie nach Schaffhausen gebaut und machte diese Landtransporte überflüssig.

Nicht zur Stadtführung gehörte ein Besuch im Munot, einer kreisrunden Festung auf dem Emmersberg, direkt beim Stadtzentrum. Den Spaziergang dahin liessen wir uns jedoch nicht entgehen: auf dem Fronwagplatz, dem Endpunkt unserer Führung, kauften wir ein Eis und machten uns an den kurzen und steilen Aufstieg.

Man betritt den Munot über eine kleine Brücke, welche über den Graben führt, welcher die Festung umgibt. Im Graben grasen Damhirsche, welche sich von den vielen Besuchern nicht beeindrucken lassen. Der Weg führt durch eine dunkle und riesige Gewölbehalle zu einem Treppenhaus, welches durch einen Turm hinauf auf die Festung führt. Von hier hat man einen wunderbaren Rundumblick auf die Stadt und die umliegende Gegend. Auf der Stadtseite liegt direkt unterhalb der Festung ein Weinberg, durch welchen man wieder hinabsteigen kann.

Wir erholten uns kurz in unserem Hotelzimmer etwas ausserhalb des Zentrums und spazierten danach zum Güterhof. Das Gebäude ist eines der letzten noch bestehenden ehemaligen Lagerhäuser am Rhein und beherbergt heute ein Restaurant, wo wir das Schaffhausermenu gebucht hatten: eine Rieslingsuppe mit frischen Trauben, Zanderfilets aus dem Rhein mit Spinat und Kartoffeln und Erdbeersorbet mit sehr viel einheimischem Grappa. Dazu tranken wir Eisenhalder – einen lokalen Rotwein aus alten Traubensorten. Lecker war’s!

An unserem Nachbartisch sass ein Paar aus Zürich und wir kamen bald ins Gespräch. Sie gaben uns den Tip, noch auf den Waldfriedhof zu gehen, es sei nämlich Glühwürmchensaison und dort gäbe es besonders viele davon zu sehen.

Gesagt, getan: wir zahlten unsere Rechnung und machten uns auf den etwa 30-minütigen Fussweg quer durch die Stadt. Bereits der Spaziergang war ein Erlebnis: hinauf zum Munot und durch unglaublich grüne Quartiere, vorbei an üppig bewachsenen Gärten und mehr oder weniger schönen Häusern erreichten wir den Friedhof am Stadtrand.

Die Glühwürmchen scheinen eine Attraktion für sich zu sein: Verkehrspolizisten regelten den Verkehr und wiesen den zahlreichen Fahrzeugen Parkplätze zu, welche schon bald alle besetzt waren.

Die Friedhofsanlage ist wunderschön: ein riesiger Park mit vielen Bäumen, verschlungenen Wegen, da und dort einem Grabstein und vielen Bänken, welche zum Verweilen einladen. Wir setzten uns bald und warteten in der Stille auf die kleinen Tierchen. Glühwürmchen leben etwa zwei Jahre. Die letzten ca. 2 Wochen vor ihrem Tod suchen sie sich mit Hilfe der kleinen Lichter an ihren Körpern einen passenden Partner zur Paarung und sterben kurz danach.

Kaum wurde es dunkel, ging das Spektakel los: hunderte von kleinen grünen Lichtlein tanzten durch den Wald, über die Gräber und im Gras. Sie fanden sich, tanzten ein Stück zusammen und trennten sich wieder, kurz bevor ihr Licht für immer erlischt. Die besondere Stimmung auf einem nächtlichen Friedhof tat ihren Rest für ein einmaliges Erlebnis. Wir standen lange da, spazierten langsam durch die Anlage und staunten fast andächtig in den leuchtenden Wald hinein – so etwas wunderschönes sieht man selten!

Nach einem weiteren Spaziergang durch das mittlerweile nächtliche Schaffhausen erreichten wir unser Hotel, wo wir uns noch einen Schlummertrunk genehmigten und bald müde und seelig ins Bett fielen.

Heute traten wir wieder die Heimreise an und sind einmal mehr begeistert von einer tollen Ecke unseres Heimatlands!

Nun geht die Challenge in die Sommerpause: in zwei Wochen fliegen wir nach Kanada, kurz danach ziehen wir um und noch etwas später stehen meine Abschlussprüfungen an. Die Reise geht weiter am 27./28. Oktober im Kanton Aargau.

Das Innere des Münsters Allerheiligen

Im Kreuzgang des ehemaligen Klosters Allerheiligen

Der Klostergarten

Die Schillerglocke

Die Aussicht vom Munot

Eine Blume in einem der zahlreichen wunderschönen Gärten in Schaffhausens Aussenquartieren