Heimatland! – Kanton St. Gallen

Bei der Suche nach geeigneten Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten in diesem ostschweizer Kanton kam ich zu einer Erkenntnis: St. Gallen macht den Winterschlaf.

Der eher kleine Kanton bietet eigentlich eine erstaunliche Vielfalt an Möglichkeiten! Leider sind viele davon derzeit nicht zugänglich: die berühmte Stiftsbibliothek ist wegen Revision geschlossen, der Hangar des Flugzeugmuseums Altenrhein und die Festung Heldsberg aus dem zweiten Weltkrieg sind nicht beheizbar und daher über die Wintermonate geschlossen, das älteste Hallenbad der Schweiz ist am Samstag Nachmittag und am Sonntag zu und wandern im Toggenburg ist bei den derzeitigen Wetterverhältnissen auch nicht wirklich eine Option… was also tun in diesem Kanton?

Wir starteten mit eine Foodtrail durch die Stadt St. Gallen selbst. Ähnlich einer Schnitzeljagd erwandert man sich die Stadt im eigenen Tempo und sucht anhand von kleinen Rätseln und Puzzles und mithilfe von Stadtplan und Smartphone allerlei Anbieter kulinarischer Spezialitäten der Stadt und der Region.

Wir assen und tranken zuerst Apfelsaft, Suppe und Bürli (ausserordentlich knusprige Brötchen mit butterweichem Kern) in der Bäckerei Schwyter. Hier bei meinen Fast-Namensvettern gibt es seit mehr als 110 Jahren Backwaren in allen erdenklichen Formen. Der Laden glich gestern Mittag einem emsigen Ameisenhaufen und allein das Herumgewusel von Angestellten und Kunden war ein Spektakel für sich.

Ausgestattet mit einem weiteren Bürli führte unser Weg zur Metzgerei Gemperli. Hier assen wir an einem Stehtisch draussen eine heisse St. Galler-Bratwurst – ohne Senf, versteht sich, den dieser wird hier als Beleidigung für die Wurst erachtet.

Beim nächsten Halt im Café Mühlegg erwarteten uns ein Biberli (ein Lebkuchengebäck mit süsser Füllung), Kaffee und Tee, ein Tisch zum Hinsitzen und die Aussicht auf den kleinen Mühleggweiher. Mit dem Wasser des Weihers wurden früher die zahlreichen Mühlen der Stadt betrieben.

Den Mönchen des Klosters war der Verzehr von Fleisch früher untersagt. Der Biber, der sich meist im Wasser aufhält, wurde darauf kurzerhand zum Fisch erklärt und galt bald als Delikatesse. Das gebackene Biberli hat mit dem Tier jedoch nichts zu tun: der Name kommt vom lateinischen Wort „Pimentum“ für Gewürz oder Pfeffer.

Bei unserer nächsten Station tauchten wir ein in die süsse Welt der Schokolade: in der Chocolaterie Kölbener am Klosterplatz konnten wir eine geröstete Kakaobohne probieren. Diese riecht extrem schokoladig, schmeckt jedoch ein wenig bitter und mit dem Kauen ziemlich säuerlich. St. Gallen hat eine lange Schokoladentradition: ein Tessiner namens Ludovico Aquilino Maestrani brachte seine in der Lombardei erlernten Schoggifähigkeiten 1859 nach St. Gallen, wo die bekannte Maestrani-Schokolade noch bis 2003 in einer stillgelegten Spinnerei produziert wurde. Seither stellt die Firma ihre Leckereien in Flawil her und ist damit der Gegend treu geblieben.

Zum Finale gab es ein Bier. Im Mittelalter war Wasser nur selten geniessbar. Was hat man also stattdessen getrunken? Richtig: Bier! Bereits im St. Galler Klosterplan aus dem Jahr 820 waren auf dem Stadtgebiet drei Brauereien eingezeichnet. Kein Wunder also, dass man sagt, die Mönche seien früher „schwebend“ durch den Alltag „gegangen“.

Unser Bier erhielten wir in der ehemaligen Lokremise. Wo früher Dampflokomotiven unterhalten wurden gibt es heute ein Theater, ein Restaurant und ein kleines Kulturkino.

In letzterem schauten wir uns am Nachmittag den Film „A Polar Year“ an, einen Spielfilm mit dokumentarischem Hintergrund über einen jungen Dänen, der den Bauernhof seines Vaters nicht übernehmen will und stattdessen in einem winzigen Dorf in Grönland Lehrer wird. Und Jäger. Und Vaterersatz für einen kleinen Jungen. Und ganz nebenbei seine eigentliche Berufung findet. Ein wunderbarer Film darüber, dass im Leben nicht immer alles nach Plan läuft und dies auch gut ist so!

Nach dem Kino checkten wir im Hotel Dom ein. Es befindet sich in der Altstadt von St. Gallen und bietet unter anderem 55 Menschen mit leichten psychischen, körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen oder eingeschränkten Lernfähigkeiten einen Arbeitsplatz.

Zum Abendessen ging es zurück in die Lokremise. Dort überassen wir uns mit viel Fleisch und wenig Gemüse – lecker war’s, wohl aber nicht nur vernünftig…

Wir schliefen beide früh und tief und fest und waren dementsprechend früh wieder wach. Nach einem tollen Frühstück machten wir uns auf den Weiterweg. In der Nacht hatte es geschneit und die Stadt war weiss überzuckert. Auch hatte die Bise ausgepustet und es war merklich wärmer und gemütlicher als gestern.

Nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt befindet sich das Textilmuseum, der letzte Punkt unseres Programms. Hier wird auf drei Etagen die Geschichte der berühmten St. Galler-Stickerei ausgestellt. Bereits 1863 gegründet, sind hier einzigartige Zeitdokumente zu sehen: die Ausstellung erzählt von der Entstehung der Sammlung, jedoch auch von der Entwicklungsgeschichte der Spitze vom 16. bis 18. Jahrhundert. Eine gute Spitze war ein Zeichen von Macht und politischem Einfluss und verschaffte ihrem Träger oft die Achtung und den Respekt der Gesellschaft.

Im Zuge der industriellen Revolution wurde die Textilproduktion Schritt für Schritt revolutioniert, die Spitzen erlebten im 19. Jahrhundert ein Revival und die Ostschweiz etablierte sich als wichtigstes Produktionszentrum von Stickereien aus denen Aetzspitzen gefertigt wurden. Hierfür wurden die Stickereien auf einen feinen, tüllartigen Stoff appliziert, welcher danach mit Aceton weggeätzt wurde und die feinsten Kunstwerke hinterliess. Heute wird dafür ein Gewebe benutzt, dass sich in Wasser auflöst.

Ihre Blütezeit erlebte die Spitzenherstellung bis 1914. Mit dem ersten Weltkrieg kam die grosse Depression, die Industrie brach fast komplett zusammen und bis 1930 wurden in der Ostschweiz fast 17’000 Stickmaschinen verschrottet. Viele Menschen verarmten.

Nach dem zweiten Weltkrieg erholte sich die Textilbranche langsam wieder, erlangte jedoch nicht mehr ihre vorherige Bedeutung. Heute konzentrieren sich die meisten Betriebe auf die Produktion von Nischenprodukten für die Haute Couture, die Lingerie oder auf innovative Gewebe für die Medizin, die Architektur oder die Automobilindustrie.

Nach einer kleinen Stärkung am Bahnhof schnappten wir uns am Mittag bereits wieder den Zug in Richtung Heimat.

Schön war’s wiederum in dieser uns vorher eher unbekannten Ecke der Schweiz! Weiter geht die Tour am 9./10. Februar in unserem kleinsten Nachbarland, dem Fürstentum Liechtenstein. Darauf bin ich ganz besonders gespannt!

Die Bratwurst und wir

Die wunderschöne Lokremise

Eine der ersten Stickmaschinen der Schweiz

Viele Kleider aus vielen Epochen

Ein Kragen aus einer Aetzspitze

Bänderherstellung

In diesen Büchern werden Stoffmuster dokumentiert

Das wunderschöne Treppenhaus im Textilmuseum

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Heimatland! – Kanton Aargau

Die langen Ferien sind vorbei, der Umzug ist getätigt und meine Abschlussprüfungen sind geschrieben. So geht es endlich weiter mit unserer Schweizerreise!

Gestern Morgen fuhren wir mit dem Auto von unserem neuen Zuhause in Ostermundigen los. Dorian hat das Wochenende geplant und so fuhr ich, während mein Liebster mir sagte, wohin.

Wir starteten auf der Autobahn, verliessen diese wegen immer mal wiederkehrendem Stau schon bald wieder und tuckerten gemütlich durch das Mittelland in Richtung Kanton Aargau.

Das Wetter war und ist gelinde gesagt eine trübe Sache: es regnet, die Wolken hängen tief und das Thermometer zeigt gerade mal 6 Grad an.

Viel wusste ich nicht über diesen Kanton. Eines jedoch war klar: es gibt eine Menge alter Schlösser im Aargau, ist die Gegend doch auch der Ursprung verschiedener grösserer und kleinerer Adelsgeschlechter. Und da mein Liebster mich so gut kennt und von meinem Kindheitswunsch nach dem Dasein als Burgfräulein weiss, hatte er kurzerhand eine ausgiebige Schloss- und Burgtour organisiert.

Unsere erste Station war die Habsburg, die Wiege des berühmten Adelsgeschlechts. Die Habsburger selbst wurden mit dem Besteigen des deutschen Königsthrons und mit der Eroberung von Österreich und der Steiermark jedoch bald so mächtig, dass die kleine Habsburg den repräsentativen Zwecken nicht mehr entsprach und schon knapp 200 Jahre nach ihrer Erbauung an Dienstleute verpachtet wurde. Die Herren liessen sich in Wien nieder; es folgten die ganzen Franz-Josephs, Leopolds und Ferdinands, die berühmte Maria Theresia und die (angeheiratete) Sissi – der Rest ist wohl Geschichte…

In der Burg befindet sich heute auch ein wunderbares kleines Restaurant, in welchem wir ein feines Mittagessen mit lauter herbstlichen Spezialitäten assen: Kürbis, Pilze, Nüsse, Wild – herrlich!

Die Fahrt ging weiter nach Baden ins Baregg Center. Hier spielten wir eine schnelle Runde Indoor-Minigolf. Schnell vorallem daher, weil die Luft im eher düsteren Raum schweissgeschwängert war und alles reichlich schmuddelig wirkte. Gewonnen hat übrigens Dorian – mit genau einem Punkt Vorsprung!

Nach einer weiteren Fahrt mithilfe von Google Maps, durch schmale, aber schöne Waldstrassen erreichten wir unsere Unterkunft – ein kleines Bed & Breakfast am Rande von Unterkulm. Die Besitzerin ist eine überaus freundliche Frau mit osteuropäischem Akzent, welche uns gleich einen Wodka anbot. Dorian lehnte diesen schnell ab, was ich insgeheim etwas schade fand…

Unser Zimmer im Untergeschoss verfügte über einen eigenen Eingang, ist wunderschön eingerichtet und im Nebenraum gibt es neben Dusche und WC sogar eine kleine Sauna.

Zum Abendessen fuhren wir über eine weitere schmale Strasse steil durch einen Wald und an Feldern und Höfen vorbei zum Wannenhof, einer grundsoliden Landbeiz in einem winzigen Weiler. Während Dorian durch einen Teller mit dreierlei Würsten (Blut-, Leber- und Bratwurst) mähte, entschied ich mich für Schnipo – sehr gut gesalzen, jedoch mit feinem Sauser tiptop heruntergespült!

Die Beiz war voll, der Stammtisch neben uns bot zuwenig Sitzgelegenheiten, so dass wir an unserem Tisch bald Zuwachs erhielten und mit der fröhlichen Runde aus ansässigen Bauern und Bäuerinnen in ein lautes und lustiges Gespräch kamen. Wir erfuhren allerlei Interessantes über den Wannenhof und die benachbarte Tagesschule, über die trockene Sommersaison und ihre Folgen für die Landwirtschaft, über Schlafgelegenheiten nach durchfeierten Nächten im Wannenhof und fühlten uns bald fast ein wenig zugehörig… So ist er also, der Kanton Aargau, an dem man als Berner sonst höchstens auf dem Weg nach Zürich vorbeifährt!

Als ich zur Toilette ging, erzählte Dorian der Runde, was heute auf unserem Programm stand und bei meiner Rückkehr erzählten dann alle, dass wir für die bevorstehende Gletscherwanderung unbedingt noch Steigeisen benötigten. Auf gar keinen Fall dürften wir uns auch eine Fahrt mit dem Eisbrecher auf dem Hallwilersee entgehen lassen!

Nachdem wir uns in den Schlaf gelacht hatten, war die Nacht herrlich ruhig. Zum Frühstück heute Morgen gab es Züpfe, Butter, Konfi, Saft, Aufschnitt, Käse, Müesli, Joghurt, Kaffee, Tee… ganz allmählich fühlte ich mich auf gute Weise etwas gemästet. Zudem kamen wir mit dem Besitzer des B&B’s ins Gespräch und diskutierten über Fahrrad- und Wandertouren durch die Schweiz, alte Schlösser und die historische Verbindung von Bern und dem Aargau.

Als nächstes fuhren wir nach Seengen am Hallwilersee. Den Eisbrecher auf dem See ignorierten wir und besuchten das Schloss Hallwyl (See und Ort schreiben sich tatsächlich mit „i“, das Schloss jedoch mit „y“).

Es ist ein wunderschönes Wasserschloss, welches 1265 erbaut wurde und den Herren von Hallwyl – einem schweizer Adelsgeschlecht – gehörte. Bei der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen wurde das Schloss 1415 von den Bernern niedergebrannt, wurde jedoch danach wieder auf- und weiter ausgebaut.

Bis 1994 blieb es im Besitz der Familie von Hallwyl, welche es danach dem Kanton schenkte. Bereits seit 1930 ist es der Öffentlichkeit zugänglich und beherbergt viele Zeitdokumente aus den bewohnten Jahrhunderten. Besonders fasziniert hat mich das „Frauenzimmer“, ein Raum, der ganz dem weiblichen Geschlecht gewidmet ist. So gibt es an der Wand eine Reihe mit chronologisch geordneten Ereignissen im Zusammenhang mit der Gleichberechtigung in der Schweiz. In der Mitte des Raums steht ein grosser runder Tisch, an welchem fünf Frauen Platz genommen haben: eine ledige Magd, sowie je eine ledige, eine verwitwete, eine verheiratete und eine geschiedene Adelige. Dazu ist in Kurzporträts beschrieben, was der Zivilstand für Auswirkungen auf das jeweilige Leben der Frauen hatte. Wer mehr darüber wissen will besuche das Schloss oder befasse sich als Beispiel mit der mehr als abenteuerlichen Lebens – und Liebesgeschichte der Franziska Romana von Hallwyl, welche mit 15 unehelich schwanger wurde, von Österreich gegen den willen ihrer Eltern zu ihrem Liebhaber in die Schweiz flüchtete, diesen heiratete, vier Söhne bekam und vier Jahre später bereits Witwe war. Ihr Mann hatte ihr zudem primär einen Haufen Schulden hinterlassen. Als Witwe erhielt sie zwar einen Vormund, verwaltete jedoch dennoch den Schlossbesitz und hielt ihn so in der Familie.

Ein altes Schloss lässt sich nicht heizen. Der Wind pfiff durch Mauerritzen und Treppenhäuser und wir klapperten schon bald mit den Zähnen. Wir wärmten uns mit Tee und Kaffee im Schlosskaffee und fuhren über eine Hügel durch tanzende Schneeflocken auf Sommerpneus weiter in Richtung Lenzburg.

Oberhalb der kleinen Altstadt steht einsam auf einem Hügel das riesige Schloss Lenzburg und überblickt auf allen Seiten weit die Umgebung. Es ist ein beeindruckender und mächtiger Bau! Schon oft habe ich bei Vorbeiflitzen auf der Autobahn gedacht: „Hier möchte ich mal hin!“

Wir stärkten uns zuerst im Restaurant mit heissen Wienerli und kaltem Kartoffelsalat und machten uns dann auf – Treppe hoch, Treppe runter – durch die verwinkelten Räume des Schlosses. Auf verschiedenen Stockwerken gibt es eine Ausstellung zum Wohnen in verschiedenen Jahrhunderten: im Spätmittelalter zur Zeit Adrian von Bubenbergs als Landvogt von Lenzburg, im 18. Jahrhundert, als die Landvogtei langsam zuende ging und ende des 19. Jahrhunderts, als das Schloss von einem reichen amerikanischen Industriellen erworben worden war.

Auch findet sich hier eine Abbildung des Gebiets der bernischen Herrschaft, welche von 1415 bis 1798 auch das Gebiet des heutigen Kanton Aargaus grösstenteils mit einschloss. Dann kam ein gewisser Franzose namens Napoleon und wies die Berner wieder in ihre Schranken. Diesen Teil der Geschichte erforschen wir dann aber vielleicht einmal in einem anderen Kanton…

Danach hatten wir genug der Schlösser. Eigentlich stand noch das Schloss Wildegg auf dem Programm. Da dieses jedoch vorallem für seinen Garten berühmt ist und uns dieser bei diesem Wetter nun gar nicht zu reizen vermochte, fuhren wir zurück nach hause.

Als Fazit kann ich sagen, dass auch der Kanton Aargau viel mehr zu bieten hat, als man denken mag, wenn man eben nur vorbeifährt. Bei schönem Wetter wäre es mancherorts wohl schon fast ein wenig kitschig…

Weiter geht unsere Reise am 15./16. Dezember im Kanton St. Gallen.

Die Habsburg

Indoor Minigolf à la Bareggcenter

Schloss Hallwyl von aussen…

…und von innen

Die Treppe hoch zum Schloss Lenzburg

Trübe Aussichten

Schlossgarten Lenzburg

Das frühere Reich der Berner

The long walk down Memory Lane

Zum zweiten Mal auf unserer Reise regnete es – zum zweiten Mal waren wir dabei in Canmore. Im selben Canmore, in dem es vor zehn Jahren innerhalb eines ganzes Jahres gefühlte drei Mal geregnet hatte. Times have changed indeed…

Auf unserer Reise von Lake Louise nach Banff liessen wir am Montag den schnellen Highway 1 rechts liegen und fuhren stattdessen auf dem sehr viel weniger befahrenen Highway 1a mit gemütlichen 60 km/h nocheinmal durch die Einsamkeit der Wälder Kanadas. 55 Kilometer, auf denen wir für einmal kaum andere Autos hinter uns sammelten, trotzdem ab und zu anhielten und die Wagen eines vorbeifahrenden Zugs zählten (nur 117 – das war wohl noch ein junges Exemplar seiner Gattung), Fotos machten, Laura kennenlernten, die derzeit das Leben und die Geschichte eines Forschers untersucht, welcher als Erster die in den Rocky Mountains heimischen Tiere akustisch dokumentierte und traurig waren, als der kleine Ausflug auf die ruhige Strasse vorbei war und wir wieder in den schnellen und geschäftigen Highway 1 einbogen.

In Banff machten wir Halt – ich musste Dorian unbedingt noch den Sushi Train zeigen, diese kleine Sushi Bar, in welcher ein Zug mit feinen Leckereien auf der Theke herumfährt und einen verköstigt.

Canmore empfing uns mit ganzen 34 Grad und wir hüpften schnell in den eiskalten Bach hinter unserem Häuschen.

Am Abend kam Ryoko zu Besuch. Der Regen hatte die Luft angenehm abgekühlt und wir sassen draussen, tranken Bier und schauten dem Bach beim Plätschern zu.

Am Dienstag Vormittag stolperten wir ein wenig durch Downtown Canmore, suchten bei der einen Autogarage nach den alten, vor sich hin rottenden Autos und fanden sie!

Am Mittag – wir hatten im Grizzly Paw Pub gerade unser Mittagessen bestellt – erhielten wir eine Nachricht von Phil, welcher nachfragte, ob wir mit ihm, Jay und dessen Tochter Maeryn zum Paddleboarden kommen würden. Wir assen schnell fertig, liefen zurück zum Campingplatz, machten unser Haus fahrtüchtig und fuhren hoch zum Canmore Reservoir, einem See etwas oberhalb des Städtchens.

Zuerst regnete es noch. Da wir jedoch unser Haus dabei hatten, quetschten wir uns alle fünf in den kleinen Camper, tranken ein Bier und warteten auf besseres Wetter. Dieses liess dann auch nicht allzu lange auf sich warten und wir machten uns auf zum See. Auch das Treffen mit den beiden Kanadiern und Maeryn war, als wäre ich gar nie fortgewesen…

Dorian und ich standen vorher beide noch nie auf einem Paddleboard. Ausgerüstet mit Schwimmwesten und Ruder wateten wir in den kalten See, hüpften auf die Bretter und paddelten los, Dorian stehend auf seinem, ich kniend auf meinem Brett. Es war super, wenn auch etwas anstrengend: solange man ruderte war alles gut. Hörte man jedoch auf, trieb man im Eiltempo zurück ans Ufer und konnte von vorne anfangen… Etwas überrascht stellte ich zudem fest, dass ich auch auf einem Paddleboard auf einem vergleichsweise ruhigen Gewässer nicht ganz seetauglich bin. Ich liess mich also bald von der Strömung zurück ans Ufer treiben und begnügte mich mit der Aufgabe der Fotografin – diese liegt mir definitiv besser.

Den Dienstag Abend verbrachten wir mit Phil, seiner Freundin Noriko und seinem Sohn Mikki im wunderbaren Trough Restaurant bei herrlichem Speis und Trank.

Nach einer unruhigen Nacht (Regen klingt auf einem Camperdach eher nach Kanonendonner) machten wir uns am Mittwoch Vormittag zu Fuss auf meinen ehemaligen Arbeitsweg und besuchten Ryoko in der Rocky Mountain Soap Company. Sie arbeitet dort in der Produktion und machte mit uns einen privaten Rundgang durch die Firma. Und es roch sooooo gut!!!

In Canmore fährt mittlerweile auch ein Bus und so liessen wir uns gemütlich wieder nach Downtown chauffieren. Dort statteten wir dem Laden der Rocky Mountain Soap Company einen Besuch ab und stockten unsere Vorräte an Seife und Handcreme wohl für die nächsten paar Jahre auf.

Am Abend assen wir mit Ryoko und ihrer Familie im Mii Restaurant Sushi. Ryokos Mutter ist derzeit aus Japan zu Besuch und es war toll, auch sie wieder zu sehen!

Der Abschied von der Familie und vorallem von Ryoko selbst fiel uns besonders schwer! Ich hoffe fest, dass es bis zu unserem nächsten Wiedersehen nicht allzu lange dauert!

Gestern morgen packten wir die restlichen Sachen zusammen, räumten unseren Camper auf, leerten alle Wassertanks und fuhren ein bisschen verspätet und dafür mit ordentlich Bleifuss zurück nach Airdrie nördlich von Calgary. Die Rückgabe des Campers lief ohne Probleme und auch für das eine zerbrochene Schüsselchen und die verschwundene Fliegenklatsche (wir haben KEINE Ahnung, wo die geblieben ist) wurde uns nichts verrechnet.

Mit einem Shuttle ging es zurück zum Flughafen, wo wir sehr lange am Check-in warteten, sehr schnell durch die Security kamen und unheimlich lecker assen. Der Flieger hatte Verspätung und wir waren während des Flugs auf allen Seiten umgeben von lauten Kindern in jeder Altersgruppe – meine ganz persönliche Traumsituation… nicht!

Nun sind wir wieder daheim. Hier ist es auch heiss. Dank der höheren Luftfeuchtigkeit fühlt es sich jedoch um einiges heisser an als in Canmore und uns läuft der Schweiss in Strömen…

Wir sind sehr müde, aber erfüllt von all den tollen Erlebnissen der letzten Wochen! Und wir sind uns einig: da müssen wir unbedingt wieder hin!

Aussicht vom Highway 1a ins Grüne

Some things never change!

Paddleboarding & swimming à la Canmore mit (von links nach rechts) Dorian, Jay und Phil

Abendessen mit Dorian, Mikki, Noriko und Phil

Symbolbild Canmore

Einer der vielen frei herumhoppelnden Hasen in Canmore

333 Grotto Road – my old home

Seife soweit das Auge reicht (@Rocky Mountain Soap Company)

Abschiedsbild mit Familie Ikeda, Mama Hamaji und uns beiden

Abschiedsbild meiner Lieblingsberge

Alberta Alberta – where you’ve been so long? – Part II

Weiter ging unsere Reise bis nach Lake Louise.

Wir blieben auf dem Icefield Parkway, bremsten zweimal für sehr schnelle und sehr winzige Eichhörnchen und einmal für einen etwas verwirrten und zotteligen Schwarzbären, hielten am mit Menschen komplett überlaufenen Peyto Lake und genossen ansonsten die Weite und Ruhe und Einsamkeit entlang der Strasse.

Alberta ist anders als British Columbia: bergiger, felsiger, waldiger, einsamer, natürlicher, wilder, wässriger, gletschriger, waldiger und bäriger. Und wunderschön. Und für mich ein bisschen wie heimzukommen. Und nicht mehr richtig wegzuwollen. Und dennoch Heimweh zu haben, nach dem eigenen Bett und einer anständigen Dusche, nach Familie und Freunden und nach gewohntem Essen und weniger Angst vor Bären.

Hier spüre ich eine innere Unentschlossenheit, an welche ich mich noch gut erinnern kann: vor zehn Jahren ging es mir ähnlich und obwohl ich es nicht bereue, zurückgegangen zu sein und mich in der Schweiz mehr als nur daheim fühle, bleibt trotzdem eine kleine Stimme in meinem Kopf, welche immer wieder fragt: „Was wäre wenn? Wenn Du wiederkommen würdest, diesmal um zu bleiben?“

Der Campingplatz in Lake Louise ist ebenfalls riesig, unser Stellplatz jedoch nicht ganz so einsam gelegen. Wir haben wieder Strom und auch zur Dusche muss man nicht mehr zehn Minuten durch den Wald stolpern.

Wir haben vor dem Essen einen kleinen Spaziergang gemacht. Der hintere Teil des Platzes ist wiederum sehr waldig und wir konnten immer wieder Chipmunks und Eichhörnchen beobachten und sahen einmal, wie sich ein Eichhörnchen und ein Wiesel recht heftig gegenseitig die Leviten lasen.

Zum Abendessen gab es Fertigpizza und Bier. Somit haben wir nun – ausser der Camperdusche – alles einmal ausprobiert, was wir haben. Auf gute Küchengeräte und eine anständige Toilette freue ich mich jedoch ungemein!

Geschlafen haben wir beide nicht wahnsinnig gut. Auch nachts fahren hier viele Züge durch. Es läuft stets nach dem gleichen Muster ab: von Weitem hört man ein Brummeln, das immer lauter wird. Auf Höhe des Campingplatzes ertönt das Zugshorn drei- bis viermal. Danach ist ,an richtig wach und hört das gleichmässige Rauschen von hundert bis zweihundert Wagen, welche sich laaangsaaam fortbewegen. Zum Finale rattern noch zwei bis drei Lokomotiven vorbei, bevor man noch eine gefühlte Ewigkeit ein sehr langsam leiser werdendes Rauschen hört. …und bald darauf fängt das ganze Spiel wieder von vorne an…

Wenn man nachts wachliegt, sieht man dafür den Mond in seiner ganzen Pracht – das hilft über vieles hinweg!

Heute geht unsere Fahrt weiter bis Canmore, wo wir noch die letzten Tage unserer Reise verbringen werden.

Besuch beim Abendessen in Jasper

Panorama mit Athabasca Pass

Panorama mit Gletscher

Columbia Icefield

Somewhere along the road

Peyto Lake

Such a cutie!

Mondfotografierungsversuch

Back to Alberta & back to the woods

Die Fahrt führte von Clearwater zurück nach Alberta, zurück in die Berge und zurück in den Wald.

Hatte ich auf Vancouver Island noch den Eindruck eines einsam gelegenen Campingplatzes, so habe ich mich getäuscht: der Whistlers Campground in Jasper ist nochmal ein ganz anderes Kaliber!

Zum ersten Mal haben wir einen Stellplatz ohne Wasser und Strom, zum ersten Mal einen ganzen Campingplatz komplett ohne Internet (gar keines, auch kein wackeliges). Der ganze Platz ist riesig und weitläufig, wir sind umgeben von Birken und Tannen, können schier im Minutentakt Eichhörnchen beobachten und sahen ein paar Meter von unserem Platz entfernt eine Rehmutter, die gerade ihre Jungen säugte. Es ist so herrlich ruhig hier, dass wir letzte Nacht sage und schreibe elfeinviertel Stunden durchgeschlafen haben – sooo herrlich!

Wir bleiben noch eine weitere Nacht hier und sind heute nach Jasper gewandert, haben feine Sachen gegessen und das Städtchen angeschaut. Hier – irgendwo am Strassenrand im Schatten – habe ich auch Internet entdeckt. Und nun gehen wir wieder zurück in den Wald, schalten unsere Handys aus und geniessen die Ruhe…

North Thompson River

What a view!

Whistlers Campground – Aussicht des Tages

Erneut einsamer Camper im Wald

Rehfütterung vor der Haustüre

Badepausen

Unsere Reise führte weiter von Vancouver nach Lillooet.

In Squamish gab es Sushi zum Mittagessen, am supertouristischen Whistler sind wir nur vorbeigerauscht. Nach einem Tankstop in Pemberton fuhren wir über eine weitere enge und äusserst kurvige Strasse, bergauf und bergab, vorbei an idyllischen Seen und wilden Flüssen, mit Ausblick in unendlich scheinende Wälder und ohne einer Menschenseele zu begegnen. Schweisstreibend war’s! Aber wiederum auch wunderschön!

Susan, welche uns auf dem Campingplatz in Empfang nahm, erzählte mir sogleich einiges Interessantes über Lillooet und sich selbst. Dank ihr und einer Touristenbroschüre kam ich zu folgendem Wissen:

  • Auf dem Fraser Cove Campingplatz in Lillooet gibt es keine Mücken. Unter der nahe gelegenen alten Brücke leben 12 verschiedene Arten Fledermäuse. Diese fressen nachts zwischen 600 und 800 Mücken pro Minute. Prompt wurde ich dann auch von einem dieser inexistenten Viecher in den Kopf gestochen…
  • Lillooet war mal eine Goldgräberstadt. In ihren besten Zeiten zählte sie ganze 16’000 Einwohner und war damit die grösste Siedlung nördlich von San Francisco. Heute wohnen gerade mal noch 2’324 Personen im kleinen Städtchen.
  • Die Goldgräber nutzten Kamele als Arbeitstiere, da diese mit der Hitze und der Trockenheit im Tal gut zurecht kamen. Allerdings waren die Hufe der Tiere weniger robust als die von Pferden, was wiederum zu Problemen führte.
  • Die Familie von Susans Eltern wanderte von England nach Kanada ein. Im Jahr 1912 bemühten sich ihre Grosseltern mitsamt ihren 15 Kindern um Tickets für die Überfahrt mit der Titanic, erhielten jedoch keine mehr und nahmen ein anderes Schiff. Da war wohl auch der eine oder andere Schutzengel im Spiel…

Heiss ist es hier allemal! Bei unserer Ankunft mass unser Camper eine Innentemperatur von knapp 34 Grad Celsius. Zu allem Übel ist auch noch unsere Klimaanlage ausgestiegen…

Also warfen wir uns in unsere Badekluft und hüpften mit den letzten Sonnenstrahlen kurzerhand in den Fraser River, einen wild gugelnden Fluss direkt vor unserer heutigen Haustür. Unterhalb unseres Campingplatzes bildet dieser eine kleine Bucht, in welcher man sorglos ein wenig ins Wasser eintauchen kann. Dieses ist eiskalt und herrlich erfrischend!

Nach einer erstaunlich angenehmen, kühlen Nacht fuhren wir gestern weiter bis Clearwater.

In Kamloops gibt es eine Niederlassung unserer Campervermietung und wir liessen dort unsere Klimaanlage reparieren.

Nun sind wir an einem weiteren heissen Ort, mit einem weiteren kühlen See direkt vor der Nase und in unserem rollenden Heim surrt wieder die Klimaanlage. Das Bad war erneut herrlich erfrischend und der Sonnenuntergang wunderschön!

So schön, dass wir erneut einen Tag Fahrpause machten und heute vorallem lasen und badeten. Morgen geht es weiter bis Jasper…

Highway to Lillooet

Lillooet-Panorama mit Fledemausbrücke

Pavilion Lake – 1’000 shades of green and blue

My favourite view of the day

Dutchlake Sunset

Off the woods and into Vancouver again

Auch die letzten Tage auf Vancouver Island genossen wir in vollen Zügen!

Am Samstag wanderten wir in die Halfmoon Bay und spazierten am kleinen Strand entlang, sammelten Muscheln und kraxelten auf einem Fels im Meer herum.

Am Sonntag hat Dorian eine Surflektion gebucht und ich durfte zum Zuschauen mit. Wir fuhren zum Long Beach zwischen Ucluelet und Tofino, einem schier unglaublich laaangen Strand, welcher ein sehr beliebter Spot für Surfer aus aller Welt ist.

Ich filmte fleissig Dorians Erstversuche und jubelte freudig mit! Das Video ist leider zu gross für meinen Blog, daher gibt’s hier nur ein paar Fotos…

Auch mein Liebster kam noch zu seiner Begegnung mit einem Bären: heute Morgen – ich war noch beim Frühstück im Camper – sass Dorian mit einer Tasse Kaffee und seiner Morgenzigarette draussen. Als er sich ein wenig abdrehte, stand etwa zwei Meter hinter ihm direkt neben unserem Camper ein Schwarzbär und schaute ihn an. Dorian sprang auf, rief laut „Bear!“ und ich lugte aus unserem Küchenfenster und sah gerade noch das zottelige Hinterteil der Tiers im Wald verschwinden. Das Tier ist wohl gleichermassen erschrocken wie Dorian selbst… Immerhin waren nach seinem Warnruf dann auch unsere Nachbarn wach und im Wald wurde es lauter und bärenfeindlicher.

Danach fuhren wir wieder los. Über die kurvige Strasse, welche ein bisschen ausschaut, als hätte jemand einfach ein Band über die Hügel gelegt, fuhren wir in Richtung Nanaimo, trafen in einem Wald zwei Schweizer, hielten im Cathedral Grove und spazierten durch den Regenwald mit seinen uralten, riesig hohen Bäumen, deckten uns im Supermarkt von Nanaimo mit den nötigsten Sachen ein und gelangten viel zu früh zum Ferry Terminal. Wir hatten einen Platz in der Fähre um acht Uhr gebucht und es war gerade mal vier Uhr.

Wir erkundigten uns, ob wir mit einer früheren Fähre mitfahren können und wurden auf eine Standby-Spur verwiesen. Das erste Schiff fuhr ohne uns los, für das zweite schaute es gut aus! Geplant war dieAbfahrt um viertel vor sechs und tatsächlich konnten wir um fast viertel nach sechs in den Bauch der Fähre fahren und jubelten bereits darüber, dass wir nun doch nicht ganz sooo spät in Horseshoe Bay ankommen würden.

Falsch gedacht: zuerst kam einen Lautsprecherdurchsage mit der Frage, ob sich ein Arzt an Bord befände. Nach etwa einem Viertel der Strecke fuhr das Schiff dann plötzlich rückwärts und wir fuhren zurück nach Nanaimo. Der medizinische Notfall stellte sich als dringend heraus und die Person wurde auf Vancouver Island von einem Arzt erwartet.

Mit nunmehr fast zwei Stunden Verspätung legten wir ein zweites mal ab und landeten fast gleichzeitig in Nanaimo, wie unsere ursprünglich gebuchte Fähre. Eine andere Passagierin hat die Umstände auf den Punkt gebracht: „It’s gonna be an extended cruise!“ Recht hatte sie… Dafür wurden wir jedoch mit einem atemberaubend schönen Sonnenuntergang auf dem offenen Meer belohnt!

Nun sind wir zurück in Vancouver auf dem gleichen Campingplatz wie auch schon. Um uns herum surrt der Verkehr, die Camper stehen dicht an dicht und irgendwo piept konstant ein Alarm. Ich kämpfe mit einer leichten Migräne und hätte gerade nichts gegen ein Stück Wald auf einer gewissen Insel einzuwenden…

Way out to Halfmoon Bay

Halfmoon Bay Panorama I

Halfmoon Bay Panorama II

Surf Instructions

Weehee!!!

Looong Beach

Sprout Lake

Cathedral Grove I

Cathedral Grove II

Cathedral Grove III

Wiedergutmachungssonnenuntergang – proudly presented by BC Ferries

Living the island life

Seit Montag wohnen wir im Wald.

Der Campingplatz ist weitläufig und wir haben einen ruhigen Platz für uns alleine, gedeckt von einem dichten Blätter- und Nadeldach mit Ausblick in den dunklen Wald.

Tagsüber hört man ab und zu Geräusche der Nachbarn, manchmal schreit ein Kind oder es bellt ein Hund oder jemand spielt leise Gitarre und singt dazu (leider manchmal gar nicht so leise). Nachts ist es mucksmäuschenstill, einzig der Wind weht manchmal ein paar dürre Tannennadeln auf unser Dach.

Wer durch den Wald geht ist angehalten, Geräusche zu machen, um die Bären fernzuhalten. So laufen die Meisten klatschend durch die Gegend oder schreien ein wenig herum. Einmal nach dem Duschen – ich war bereits wieder im Camper und hängte die nassen Tücher auf – hörte ich jemanden rufen: „Bear!“ Ich öffnete alle Rollläden, schaute raus und sah… nichts. Also ging ich zur Tür, öffnete sie einen Spalt und sah, wie ein Schwarzbär langsam und bedächtig unseren Nachbarsplatz überquerte – beeindruckend und creepy zugleich!

Beachtet hat mich das Tier nicht. Und auch Dorian, der erst kurz nachher laut klatschend daherkam, hat von dem kleinen Spektakel nichts mitbekommen.

Heute Vormittag fuhren wir mit dem Taxi nach Ucluelet – Whale Watching stand auf dem Programm! Zuerst erhielten wir alle eine Schwimmweste ausgehändigt und bestiegen ein kleines Boot mit einer gedeckten Kabine.

Wir fuhren durch den ruhigen Hafen und raus auf das offene Meer. Die Wellen waren recht hoch und ich fühlte mich nicht besonders. Irgendwo im Nirgenwo hielten wir an und konnten während fast einer Stunde eine Gruppe von etwa neun Killerwalen beobachten. Die riesigen Tiere schwammen mit unserem Boot, tauchten immer mal wieder auf, sprühten ihre kleinen Fontänen aus und tauchten wieder unter – ein Wahnsinnsspektakel, welches mich jegliche komischen Gefühle in der Magengegend sofort vergessen liess!

Auf dem Weg zurück kämpfte unser Boot gegen die fast drei Meter hohen Wellen an und ich wurde so richtig seekrank. Speitüte in der einen Hand, Dorians Hand in der anderen, Augen geschlossen, durch die Nase einatmen und durch den Mund wieder aus. Zuerst kribbelten die Hände, dann verkrampften sich die Finger, dazu war mir sterbenselend – wirklich kein schöner Moment…

Zurück im ruhigen Wasser des Hafens war dann schnell wieder alles besser. Dennoch war ich IMMENS froh, als ich wieder einen Boden unter den Füssen hatte, der nicht dauernd schaukelt…

Zurück in Ucluelet statteten wir dem Supermarkt einen weiteren Besuch ab und assen Fish & Chips und Riesencrevetten im Bierteig, bevor wir wiederum mit dem Taxi den Rückweg antraten.

Ein bisschen flau im Magen ist mir immernoch. Die Speitüte habe ich behalten, als Erinnerung daran, so einen Ausflug nie wieder mitzumachen…

Ansonsten plätschert das Leben hier sehr gemütlich und bedächtig vor sich hin: wir machen lange Spaziergänge zum Strand oder nach Ucluelet zum Einkaufen, essen in einer kleinen Bar in der Nähe allerlei Leckereien aus dem Meer, lesen und schlafen viel und freuen uns an der Ruhe und dem Frieden, die hier herrschen.

Wanderweg im Wald

Strandpanorama I

Strandpanorama II

Picknickspot du jour

Art by Nature

Tree in tree

Warten auf die Bootstour mit Krähe (und Boot hinten links)

Really free Willy

Essen mit stabilem Boden unter den Füssen

Vancouver & off to the woods

Gestern hatten wir einen reisefreien Tag und fuhren mit dem Bus nach Downtown Vancouver.

Es ist ein spezieller Ort: eine Grossstadt, welche gleichzeitig am Meer und in den Bergen liegt, wo alles geschäftig vor sich geht und gleichzeitig immer eine frische Meeresbrise weht und die Möwen lachen.

Wir liefen durch die Strassen, assen Sushi, überquerten eine grosse Brücke und besuchten das McMillan Space Center, wo wir einen Vortrag über unser Sonnensystem schauten und über die Winzigkeit der Erde staunten.

Danach wollten wir mit einem Taxi zurück zu unserem Campingplatz. Der Taxifahrer erklärte uns, dass es auf der Lions Gate Bridge einen Unfall gegeben hatte und man dort nicht durchkommen würde. Nach längerem Hin und Her war er jedoch bereit, uns in die Nähe der Brücke zu fahren, damit wir diese zu Fuss überqueren konnten.

Er lud uns also am Ende des Stadtzentrums ab und wir liefen los – einmal quer durch den Stanley Park und über besagte Brücke. Der Verkehr lief ganz flüssig neben uns her, veranstaltete eine abgasgeschwängerte Geräuschkulisse und wir begannen uns zu fragen, ob der Taxifahrer wohl einfach keine Lust auf die Fahrt gehabt hatte…

Die Strecke zieht sich, die Brücke schwingt stets mit, wir liefen an der Sonne, waren bald verschwitzt und staunten immer mal wieder über die Gegend. Im Park direkt neben der Strasse beginnt ein dichter und wild überwucherter Wald, die Brücke ist ein überaus beeindruckendes Gebilde und die Aussicht von da oben einfach umwerfend!

Danach rannten wir aus Mangel an Alternativen durch einen japanischen Supermarkt, kauften alles für Pasta Bolo ein und rannten zurück zum Campingplatz, wo wir gleich mit kochen begannen. Wir erwarteten nämlich Besuch von meinem ehemaligen Arbeitskollegen Quinn, welcher mittlerweile in Vancouver wohnt.

Dieser wurde bei der Arbeit noch aufgehalten und kam erst viel später als erwartet – jedoch war auch hier die Wiedersehensfreude riesengross! Wir assen Pasta, tranken Bier und redeten bis spät in die Nacht – auch hier war es, als hätten wir uns erst gestern zum letzten Mal gesehen…

Nach einer sehr kurzen Nacht machten wir uns heute Morgen früh auf nach Horseshoe Bay, wo wir die Fähre um 6.30 Uhr nach Nanaimo auf Vancouver Island schnappten. Die Überfahrt dauert knapp zwei Stunden und bietet spektakulär schöne Ausblicke auf die umliegenden Inseln und das Meer.

In Nanaimo deckten wir uns in einem Supermarkt mit Essbarem ein und fuhren über eher enge, dafür aber abenteuerlich kurvige Strassen nach Westen – eine durchwegs schweisstreibende Angelegenheit!

Unser Campingplatz liegt in der Nähe von Ucluelet mitten im Wald. Bei der Anmeldung an der Reception erklärte mir ein sehr bärtiger und langhaariger Mann, dass man hier täglich mehrmals Besuch von Bären bekommen kann und dass wir auf keinen Fall Essbares liegen lassen und im Zweifelsfall Lärm machen sollen, damit die Tiere verschwinden. Dass wir uns für ganze sieben Nächte hier eingebucht haben stimmt mich nun nicht gerade entspannt…

Dafür ist es aber schön ruhig im Wald und das hat ja auch seinen Reiz! Wir holen wohl erstmal eine Runde Schlaf nach, bevor wir die Gegend um uns herum erkunden…

Dörel in Space (mal wieder)

Irgendwo im Stanley Park

View from the Bridge

Lions Gate Bridge

Found another friend, enjoyed some pasta and chats

Müder Morgenselfie auf der Fähre

Aussicht aus der Horseshoe Bay

Irgendwo im Nirgendwo

Einsamer Camper im Wald

On the road to Vancouver

Gestern fuhren wir von Revelstoke bis Merritt.

Die Fahrt war anstrengend – mein Mann entdeckte einen gewissen Hang zum Bleifuss, ich hatte meinerseits nicht besonders gut geschlafen und war dementsprechend müde – eine schwierige Kombination für den Ehefrieden…

Merritt empfing uns heiss und windig. Der Wind war ebenfalls warm und wir schlossen als erstes den Strom an unseren Camper an, starteten die Klimaanlage und beobachteten aus dem Fenster das fröhliche Treiben um uns herum.

Ein Campingplatz ist ein buntes Sammelsurium von allerlei lustigen Zeitgenossen mit ihren rollenden Häusern – von klein und fein bis riesig und protzig. Hier wird stolz zur Schau gestellt, was man hat: manche bringen ihre Zimmerpflanzen mit, andere haben an der Aussenseite des Campers einen Fernseher eingebaut, wiederum andere reisen gleich mit einem umgebauten Greyhound-Bus an – der Fantasie sind beim richtigen Budget wohl keine Grenzen gesetzt…

Wir staunen immer mal wieder fasziniert in die Runde und zumindest auf der Strasse ich bin froh, dass unser Gefährt eine überschaubare Grösse hat. Auch zum Wohnen ist es angenehm: auf kleinem Raum findet sich alles, was man braucht von Essecke über Küche und viel Stauraum bis hin zu einem gemütlichen Nachtlager.

Nach einer erholsamen Nacht ging die Reise heute dann bis nach Vancouver weiter. Die Berge wurden zusehends niedriger, die Täler weiter, die Felder grösser und die Flüsse breiter – bis wir schliesslich durch den geschäftigen Stadtverkehr und über beeindruckende Brücken zu unserem Campingplatz in North Vancouver gelangten. Dieser liegt ganz in der Nähe der Lions Gate Bridge, welche man von hier aus sogar ein bisschen sieht. Es ist immer noch heiss, jedoch liegt etwas frisches in der Luft und sie riecht ein bisschen nach Meer.

Als erstes zeigten wir uns häuslich, haben Kleider gewaschen, den Camper gewischt und das Bett frisch bezogen. Ich bin ganz stolz auf meine improvisierte Wäscheleine! Nun kochen wir Pasta und freuen uns auf den morgigen Tag in der Stadt.

View of the day I

View of the day II

Ein kleines, rollendes Eigenheim auf dem hiesigen Campingplatz

Waschtag