Heimatland! – Kanton Solothurn

Als nächste Station in unserer Mission „Wir lernen die Schweiz neu kennen“ stand gestern und heute der Kanton Solothurn auf dem Programm.

Dorian hatte den Ausflug geplant und ich durfte einfach ahnungslos mittrotten. Für mich als bekennenden Kontrollfreak durchaus auch eine Herausforderung…

So fuhren wir gestern Vormittag mit dem Zug in die Stadt Solothurn und von dort gleich weiter nach Oberdorf. Von da aus fährt man entweder mit der Seilbahn auf den Weissenstein oder – wie wir – macht sich zu Fuss auf den Weg.

Unser Ziel war jedoch nicht der berühmte Berg, sondern ein stillgelegter Steinbruch, welchen man vom Bahnhof aus in etwa 20 Gehminuten erreicht. Dort gibt es eine kleine Aussichtsplattform: von hier aus zeigt sich einem ein wunderbares Panorama auf eine über und über mit Dinosaurierspuren übersähte Felswand – ein wirklich beeindruckender Anblick!

Auch der Fussweg hin und zurück war wunderbar: strahlendes Wetter, keine anderen Dinoforscher und ein fröhliches Vogelkonzert als Begleitmusik – total idyllisch…

Mit dem Zug ging’s zurück nach Solothurn, wo wir uns im Restaurant der Öufi-Brauerei mit allerlei zünftigen Sachen stärkten.

Nach einem weiteren Fussmarsch quer durch Solothurns Aussenquartiere erreichten wir schliesslich die Verenaschlucht mit ihrer Einsiedelei. Der Legende nach lebte dort einst die heilige Verena, welche die Kranken heilte und die Armen mit Nahrung versorgte. Als die Wallfahrt Ende des 18. Jahrhunderts an Bedeutung verlor, wurde die Schlucht zu einem Landschaftsgarten ausgestaltet und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel.

Wir wanderten auf einem verschlungenen Waldweg in die Schlucht hinein und entlang des Flusses wieder aus ihr heraus – auch hier fällt mir vorallem das Wort „idyllisch“ ein – ein wirklich friedlicher und wunderschöner Flecken Erde!

Mit dem Zug fuhren wir dann aus der Stadt hinaus nach Riedholz. Etwa 5 Minuten vom winzigen Bahnhof entfernt befindet sich das Restaurant Bad Attisholz, welches auch über ganze zwei Hotelzimmer verfügt. Eines davon war unser Nachtlager.

Das Haus ist ebenfalls ein sehr geschichtsträchtiger Ort: hier war seit dem 15. Jahrhundert ein Badebetrieb untergebracht, welcher erst in der 1940-er Jahren eingestellt wurde. Heute befindet sich hier ein mit 17 Gault Millau Punkten ausgezeichnetes Restaurant und so haben wir demnach gestern Abend auch königlich gespiesen: so gab es zuerst eine Riesencrevette mit Zitronengrasschaum, gefolgt von gebratener Entenleber mit Vieille Prune und schliesslich butterzartes Bisonfilet mit Frühlingszwiebeln und anderem Gemüse in verschiedenen Variationen. Ein Gaumenfest von Feinsten!

Leider bin ich etwas erkältet und habe daher nicht besonders gut geschlafen – am bequemen Bett und der herrlichen Ruhe lag dies jedoch bestimmt nicht!

Heute besichtigten wir dann noch kurz die St. Ursen Kathedrale in Solothurn und spazierten durch die Altstadt, bevor wir uns mit dem Zug wieder auf den Heimweg machten. Ich bin nun etwas erledigt und konzentriere mich auf’s Nase putzen und Tee trinken. Schön ist er, unser Nachbarskanton – und für weitere Besuche zum Glück gar nicht so weit weg…

Weiter geht die Challenge am 23./24. Juni im Kanton Schaffhausen.

Dinospuren im Steinbruch

Öufibier-Philosophie

St. Martinskapelle in der Verenaschlucht

Die kleine Einsiedelei

Das Restaurant Bad Attisholz

Die Decke der St. Ursen Kathedrale in Solothurn (man beachte die Freimaurer Symbolik)

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Heimatland! – Kanton Schwyz

Als wir vor zwei Wochen auf unserem grossen Hotelbalkon auf der Rigi standen und die umwerfende Aussicht über Seen und Berge genossen, befanden Dorian und ich, dass es an der Zeit ist, unser Heimatland endlich besser kennenzulernen!

So fuhren wir heim, schrieben alle Kantone der Schweiz (und das Fürstentum Liechtenstein und die Stadt Bern) auf kleine Zettelchen, welche wir gefaltet in ein Töpfchen legten. Dann losten wir mittels unserer UNO-Karten aus, wer beginnt (ich!) und ich zog als erstes den Kanton Schwyz. Ziel ist es jeweils, einen Tag oder ein Wochenende in ebendiesem Kanton zu verbringen. In den Regeln festgehalten ist, dass alle Aktivitäten innerhalb der Kantonsgrenze stattfinden müssen und dass es Dinge sind, welche wir – soweit bekannt – noch nie gemacht haben. Verraten wird dem anderen im Voraus nichts, ausser was er anziehen und mitnehmen soll.

Gestern Morgen früh fuhren wir also mit dem Zug nach Langnau, schnappten uns das Auto meiner Mutter und fuhren durchs Entlebuch und an Luzern und Zug vorbei nach Einsiedeln in besagtem Kanton. Hier besuchten wir das Kloster Einsiedeln, ein in seiner Grösse und Geschichte gleichermassen beeindruckendes Bauwerk.

Das Benediktinerkloster wurde 934 zu Ehren eines an dieser Stelle ermordeten Einsiedlers gegründet. Es brannte einige Male ab, wurde jedes Mal neu errichtet und umfasst heute eine Stiftsbibliothek mit 230’000 gedruckten Büchern und 1’230 Handschriften, eine Schule, das älteste noch existierende Gestüt in Europa und natürlich eine Klosterkirche. Letztere ist äusserst üppig mit Bemalungen verziert und beherbergt auch eine kleinere Gnadenkapelle, in welcher eine „schwarze Madonna“ steht. Diese gilt unter Gläubigen als besonders wundertätig. So wird sie auch besonders gepflegt und hat beispielsweise einen eigenen Kleiderschrank mit ganzen 27 eigenen Gewändern, von welchen sie je nach Kirchenjahr ein anderes trägt. Das Kloster Einsiedeln ist zudem der grösste private Grundbesitzer in der Schweiz und besitzt unter anderem das Kloster Fahr und die Insel Ufenau im Zürichsee.

Da wir nun aber nicht eine klassische Klosterführung machen wollten, entschieden wir uns für den sogenannten Monkstrail, eine Schnitzeljagd über das ganze Gelände. Ausgerüstet mit einem QR-Codelesenden Smartphone liefen wir von Posten zu Posten, lösten kleine Rätsel, lernten allerhand über das Kloster und seine menschlichen und tierischen Bewohner und bekamen zudem eine ordentliche Portion frische Luft.

Nach einer kleinen Stärkung in einem Restaurant im Dorf fuhren wir weiter nach Küssnacht am Rigi. Dieses ist nach Einsiedeln der grösste Ort im Kanton Schwyz, liegt am Ufer des Vierwaldstättersees und hat eine wunderschöne kleine Altstadt.

Unsere Unterkunft war denn auch zumindest äusserlich eines dieser schönen alten Häuser. Leider lässt sich dies von seinem Inneren nicht sagen: die Zimmer waren schmuddelig bis schmutzig, die Heizung gurgelte die ganze Nacht wie ein Wasserfall und wir bekamen kein Frühstück – es war zur abgemachten Zeit nämlich einfach niemand da. Immerhin wurde uns auf dem Zimmerpreis ein Rabatt gewährt. Dort übernachten werden wir jedoch mit Sicherheit nicht mehr!

Für’s Abendessen fanden wir ein umwerfend schönes Restaurant mit umwerfend gutem Essen und umwerfend charmantem Service – dort würden wir auf jeden Fall und jederzeit wieder einkehren!

Heute Vormittag fuhren wir dann noch nach Schwyz selbst, welches – wie Name besagt – auch der Hauptort und Namensgeber des Kantons ist.

Dort besuchten wir das Bundesbriefmuseum und lernten Einiges über die Entstehung der Schweiz als politisches Land. Die Anfänge waren demnach etwas verworren und es ist bis heute umstritten, was damals genau geschah. Sicher ist, dass sich ab dem frühen 14. Jahrhundert nach und nach mehrere Bünde zu einem immer grösseren Bund zusammenschlossen und schlussendlich die Schweiz in ihrer heutigen Form entstand. Dies ist im Museum anhand von vielen schriftlichen Zeitdokumenten dargestellt und man lernt ganz nebenbei auch noch Einiges über Siegel, alte Schriften, Pergament, Flaggen und die SVP. Denn wenn von aktuell lebenden Persönlichkeiten fast ausschliesslich Reden von den Herren Mörgeli, Blocher und Maurer angehört werden können, dann ist man wohl auf der rechten Seite des Landes angekommen. Interessant war es jedoch allemal und für mich als Fan von alten Schriften sowieso ganz grosses Kino!

Nun sind wir wieder daheim in Bern. Weiter geht’s am 5. und 6. Mai im Kanton Solothurn…

Das beeindruckende Kloster Einsiedeln von fern…

…und von nah.

Ausschnitt der reich verzierten Kirchendecke

Eines der schönsten Häuser in Küssnacht und wohl auch eines der besten Restaurants

Leicht trübe aber friedliche Stimmung am morgentlichen Vierwaldstättersee

Rigi

Zu unserem ersten Hochzeitstag reisten mein Liebster und ich gestern auf die Rigi.

Wir gönnten uns – Gutscheinen sei Dank – ein erste Klasse Ticket und fuhren mit dem Zug zuerst nach Luzern, dann mit dem Schiff nach Weggis und nach einem kurzen, steilen Aufstieg zu Fuss mit der Gondelbahn nach Rigi Kaltbad.

Ich sass zum allerersten Mal in der ersten Klasse. Man hat dort wesentlich mehr Platz als in der zweiten Klasse. Allerdings spielt dies bei meinen kurzen Beinchen gar nicht mal so eine grosse Rolle. Dafür war die Ruhe in dem Abteil wunderbar.

Die Gondelbahn auf die Rigi teilten wir uns mit einer lauten und ungemütlichen Reisegruppe aus Asien. Jedes Mal wenn die Gondel über einen Stützpfeiler ratterte und danach schwankte, liessen sie sich begleitet von „Oh!“ und „Ah!“ nach vorne fallen. Nach zehn Minuten waren wir über dem Nebelmeer angekommen und verliessen erleichtert die Kabine.

Nach einem kleinen Imbiss machten wir uns auf ins Thermalbad, wo wir uns im warmen Wasser ordentlich durchsprudeln liessen und uns anschliessend eine Massage namens „Hopfen und Malz“ gönnten. Diese dauert 50 Minuten, beinhaltet viel Öl und heisse Steine, war wunderbar wohltuend und wäre eigentlich für Männer gedacht. Dies stellten wir aber erst vor Ort fest und es war uns gerade recht: danach gibt’s nämlich ein kühles Bier, was mir dann doch lieber war, als ein Cüpli…

Am späteren Nachmittag spazierten wir gemütlich Hügel hoch ins Hotel Bergsonne, wo mein Mann nach einem Familienfest vor etwa acht Jahren spontan für einen Monat als Spüler eingesprungen war. Man hat ihn als Retter des sauberen Geschirrs noch immer in guter Erinnerung und das Wirtepaar hatte eine Riesenfreude am Wiedersehen!

So durften wir in die Küche schauen, bekamen einen Tisch mit wunderbarer Aussicht an vorderster Front und ein Zimmer mit einem riesigen Balkon. Die Freude war also ganz unsererseits!

Das Restaurant des Hotels ist mit 15 Gault Millau Punkten ausgezeichnet und die aufgetischten Leckereien waren wunderbar! Man muss für das Essen viel Zeit einrechnen, aber das Resultat ist das Warten allemal Wert. So gab es ein Amuse Bouche (Lachs-Apfel-Meerrettich-Curry-Terrine, Kalbspraline an Stangensellerie und Smoothie aus Erdbeeren und Melone), Champagnersuppe mit Riesecrevetten, Frühlingsrollen mit Asiagemüse und -salat, Sorbet mit kaltem Glühwein als Zwischenhäppchen, butterzartes Rindfleisch mit Gemüse und Kroketten und danach Süsses (Kirschenparfait mit viel Garnitur) oder Käse nach Wahl. Dazu reichlich Wein und Wasser und eine schwarzweiss gefleckte Katze namens Jimmy, welche uns immer mal wieder besuchen kam, sich geduldig streicheln liess und schliesslich auf dem Nachbarstuhl einschlief.

Auch wir waren nach dem Wellnesstag ziemlich erledigt und bereits früh in den Federn. Dafür wurden wir heute morgen von strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel geweckt – die Aussicht war atemberaubend schön!

Nach einem reichhaltigen Fühstück fuhren wir in einer fast leeren Gondel wieder zurück nach Weggis, tauchten ins Nebelmeer ein, fuhren mit dem Schiff über einen geisterhaft nebligen Vierwaldstättersee zurück nach Luzern und sind nun bereits wieder daheim.

Schön war sie, die Pause vom Alltag und wir freuen uns definitiv auf die nächsten Jahre, welche wir zusammen unterwegs sein dürfen!

Wetterstudie à la Rigi: bedeckt…

…verschneit…

…und strahlend blau!

Zurück ins Nebelmeer

Und über einen gespenstischen See

Jimmy der schlafende Kater

Barcelooonaaa!!!

Wir schliefen lange und ausgiebig. Erst gegen Mittag waren wir nach einem ausgiebigen Frühstück mit Rührei, Jamon Serrano, Gipfeli, Müesli und Joghurt bereit zum losmarschieren.

Wir liefen von unserer Wohnung zur Plaza Espanya und weiter in Richtung Hafen. Einige von uns wollten die Game of Thrones Ausstellung im Museo Maritim besuchen, hatten jedoch Pech: die letzten Tickets wurden ihnen vor der Nase weggeschnappt, die nächsten gibt es erst am Dienstag.

So sassen wir im Cafe des Museums in einem gemütlichen Innenhof und tankten Flüssigkeit. Ein Vogel schoss sein Geschäft präzise auf Michu ab, welcher danach seine Hose, sein Handy und den Tisch vor sich putzte, während ich ihm seine Frisur wieder herstellte. Ab hier war das Konversationsthema geklärt.

Später besuchten wir das Aquarium, ein grosses Museum mit allerlei Fischen und Meereszeug, welches heute komplett mit Familien überlaufen war. Zudem waren die Räume mit allerlei doch recht unnötigem Halloweenmist dekoriert und sogar aus einzelnen Wasserbecken grinsten uns kleine orange Kürbisse entgegen. Dennoch ist das Aquarium einen Besuch wert – so wissen wir jetzt, dass Nemo in Wirklichkeit eigentlich viiiiel kleiner ist als Dorie.

Zurück in unserer Wohnung gab es ein Apero mit Wurst und Käse aus einem kleinen katalonischen Dorf. Sehr lecker!

Am Abend assen wir in einem grossartigen Tapas Restaurant in der Nähe der Ramblas. Hier schlugen wir uns die Bäuche mit kalter Tomatensuppe, Thunfischsushi, grilliertem Tintenfisch, Auberginen an Sojasauce, Fischsalat mit Granatapfelkernen und Wein voll. Danach gab es noch ein Bier nach einem 6300 Jahre alten Rezept. Dieses wurde einem Gebräu nachempfunden, welches in der Nähe von Barcelona in einer Höhle entdeckt wurde. Es kommt ohne Hopfen, dafür mit allerlei anderen Kräutern aus und ist ein wirklich leckeres Gesöff!

Nach einem Spaziergang zurück sind wir nun wieder in unserer Wohnung und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Plaza Espanya in the sunshine

Der Hinterhof des Museo Maritim

Michus Kackophonie

Hafenpanorama bei Frühlingstemperaturen

Gunilla aus Öckbrö

Many fish in the sea – still!

Das Runde muss ins Eckige

Vor einer gefühlten Ewigkeit wetteten Dorian und ich, ob Skorpione Haare haben oder nicht. Sie haben. Ich verlor. Deshalb musste ich mit ihm an ein Fussballspiel.

Vor fast zwei Jahren wurde mein Liebster 30. Zu seinem runden Geburtstag schenkten einige seiner Freunde und ich ihm ein Wochenende in Barcelona – inklusive Fussballspiel im berühmten Camp Nou Stadion.

Nun – einige Tage vor seinem 32sten – habe wir es endlich geschafft: zu acht machten wir uns heute morgen auf zum Flughafen Genf, flogen nach Spanien (oder doch Katalonien?), wo wir das Wochenende verbringen und trafen hier auf zwei weitere Freunde, welche bereits seit einigen Jahren hier leben. Wir haben für zwei Nächte eine Wohnung gemietet und uns am Nachmittag mit einigen Fressalien eingedeckt.

Im Camp Nou fand heute Abend die Partie Barcelona gegen Sevilla statt. Das Stadion ist das grösste in Europa und fasst sage und schreibe 99’354 Personen! Ganz schön eindrücklich…

Pünktlich zum Spielstart fing es an in Strömen zu regnen. Zwei unserer Jungs organisierten noch rasch ein paar quietschbunte Regenpellerinen und mutierten so zu unser aller Helden des Abends.

Barcelona führte zur Halbzeit 1 zu 0. Sevilla glich gleich zu Anfang der zweiten Halbzeit aus, was Barcelona natürlich nicht auf sich sitzen lassen konnte und das 2 zu 1 schoss. Zum Ende kassierte Messi noch eine gelbe Karte, nachdem er gegen den Schiri gewettert hatte und Barcelona ging erwartungsgemäss als Sieger aus der Partie hervor. Pünktlich zum Spielende hat der Regen wieder aufgehört.

Viel spannender als das Spiel fand ich die Stimmung im Stadion: es ging grösstenteils erstaunlich ruhig vor sich. Einzig bei Toren oder brenzligen Situationen ging ein Raunen durch die Menge. Ein kleiner Teil der Ränge, auf einer Schmalseite des Spielfelds, war mit Stehplätzen versehen. Dort standen die wohl ganz eingefleischten Fans, skandierten ihre Fanchöre und Schlachtrufe, schlugen auf Trommeln und zeigten mehr oder weinger politisch motivierte Banner.

Die politische Situation in Barcelona hinterlässt zumindest vordergründig eine erstaunlich ruhige und entspannte Stimmung. Abgesehen von den üblichen katalonischen Flaggen an den Balkonen der Stadt und einigen Bannern und Plakaten im Stadion ist im Vergleich zu unserem letzten Besuch nicht viel mehr davon zu merken.

Hinter der Fassade brodelt es wohl aber gewaltig. Es ist nicht alles so wie es scheint und viele Leute sind verunsichert. Dies hören wir jedoch eher von unseren Freunden, welche hier leben. Als Touristen merken wir nicht viel davon.

Nun gehen wir endlich schlafen. Wir sind seit 5 Uhr auf den Beinen und der laaange Tag macht müde. Meine Wettschuld ist endlich eingelöst und wir feiern wohl noch die nächsten zehn Tage Geburtstag…

Eine wirklich beeindruckende Kulisse

Wirklich wenige politisch motivierte Banner

Ein wirklich bunter Haufen

Bowness-on-Solway – Carlisle – Newcastle

Gestern morgen bot sich uns eine wunderbare Aussicht über den Solway Firth nach Schottland. Nach einem feinen Frühstück schnappten wir uns einen Bus zurück nach Carlisle und legten den Weg unserer letzten zwei Wandertage in deprimierenden 45 Minuten zurück.

In Carlisle wohnten wir in einem riesigen, etwas in die Jahre gekommenen Hotel, wiederum in einem Dachzimmer mit toller Aussicht über die Stadt. Der Vorteil an einem Hotel: es gibt endlich wieder Continental Breakfast! Langsam aber sicher kann ich keine Rühreier mehr sehen…

Wir haben uns bei Marks & Spencer mit neuen Kleidern und bei Thornton’s mit Fudge eingedeckt und haben bei einem Italiener etwas verkochte, dafür untersalzene Spaghetti gegessen.

Heute Mittag sind wir mit dem Zug nach Newcastle zurückgereist. Den Weg unserer ersten sieben Wandertage legten wir bei stahlendstem Wetter in sehr deprimierenden 1.5 Stunden zurück.

In Newcastle besuchten wir das Life Science Museum, ein interaktives Museum, in welchem sich alles um die Wissenschaft dreht. Dort kann man seine Sinne mit verschiedenen Aktivitäten spielerisch entdecken, ein kleines Chemietheater besuchen (sehr lustig!), die Erde aus dem All anschauen und in der derzeitigen Dinosaurier-Sonderausstellung Fossilien ausgraben und einen Dinomagen und Dinokacke befühlen. Im Ganzen ein echt spannendes Erlebnis!

Am Abend gab’s Sushi. Es ist schön, wieder eine Alternative zum klassischen Pubfood zu haben… Nach dem Essen gingen wir dann doch noch auf ein Pint in ein Pub. Es lief ein Fussballspiel – England-Slownien – und die Gäste regten sich mit vielen „Fuck!“, „Shit!“, „Twat!“ und „Garbage!“ über das langweilige Ballgejage auf (zweite Halbzeit und noch keine Tore), tranken, lagen sich in den Armen und tranken noch ein wenig mehr – eine herrliche Geräuschkulisse!

Morgen geht’s wieder nach hause. Ich bin stolz auf unsere Leistung! Und einmal mehr beeindruckt von der rauhen Schönheit dieses Landes und der Herzlichkeit seiner Leute. England, we’re gonna see you soon again!

Die Aussicht aus unserem Zimmer in Bowness-on-Solway

Die Aussicht aus unserem Zimmer in Carlisle Der Zug zurück

Ein Pflanzenfresser

Kein Pflanzenfresser

65 bis 71 Millionen Jahre alte Kacke

Dörel in space

Chrigä in space

Burgh-by-Sands – Bowness-on-Solway

We made it!!!

Um 13.55 Uhr heute Nachmittag war es soweit: wir erreichten das Ende des Hadrians Wall Path in Bowness-on-Solway! Allen Blasenentzündungen, schmerzenden Beinen und Füssen, Brennnesseln und Sumpflöchern zum trotz. 135 Kilometer und neun Wandertage liegen hinter uns. Viele davon hügelig, einige flach, die meisten wunderschön, ein Teil einfach nur anstrengend…

Der heutige Tag verlief weitaus besser als gestern. Es blieb trocken, windete weniger stark und war nur an einer Stelle richtig sumpfig. Dort füllte ich dafür meinen linken Wanderschuh einmal ordentlich mit Wasser von oben und lief die letzten 5 Kilometer mit ziemlich nassem linkem Fuss…

Unterwegs passierten wir das kleine Dorf Port Carlisle. Dort wurde 1819 ein Hafen gebaut, von welchem aus kleinere Schiffe Güter auf einem Kanal nach Carlisle brachten. Der Hafen wurde bereits 1854 wieder aufgegeben, als eine Eisenbahnstrecke gebaut wurde, welche den Transport der Waren erleichterte. Reste der Hafenmauer kann man allerdings immer noch sehen.

In Port Carlisle trafen wir auch auf Roger, einen verwitterten, freundlichen älteren Herrn, welcher dort einen berühmten Wegweiser pflegt. In einem Buch hat er die Distanzen zu Städten in der ganzen Welt feinsäuberlich von Hand alphabetisch notiert und kann seinen Wegweiser entsprechend anpassen, um danach ein Foto der Wanderer zu schiessen (siehe unten).

Bowness-on-Solway selbst ist weniger als 100 Häuser gross. Es wurde an der Stelle einer römischen Festung namens Maia gebaut, welche die zweitgrösste Festung entlang des Walls war. Von hier aus hat man freie Sicht über die Mündung des Flusses Solway nach Schottland auf der gegenüberliegenden Seite.

In der Geschichte war das Dorf immer wieder Ziel von Plüderungen der Schotten und der Engländer selbst. Im Jahr 1626 wurden die beiden Kirchenglocken von schottischen Plünderern gestohlen. Das konnte man natürlich nicht auf sich sitzen lassen und tat es den Räubern gleich: die Kirchenglocken von Dornock und Middlebie in Schottland läuteten alsbald in der St. Michael’s Church in Bowness-on-Solway.

Nach der letzten Stempelung in unserem Pass machten wir uns auf den direkten Weg ins nächste Pub, um unseren Sieg mit einem Pint zu begiessen. Mein erstes Pint auf dieser Reise (Blasenetzündung und so…)! Und wen trafen wir da? Vier uns wohlbekannte Amerikaner! Wir tranken unser Bier gemeinsam und verabredeten uns sogleich für das Abendessen ebenda.

Dieses war britisch: gross und fettig, aber lecker! Und die Runde war laut und fröhlich!

Drüben in Schottland brennen die Lichter und wir gehen jetzt schlafen…

Good morning cow!

Wir blieben verschont

Ein letztes Stück Strasse, welches auf dem ursprünglichen Mauerverlauf gebaut wurde

Panorama mit Sumpf

A flock of birds beim Mittagessen in einem Bushäuschen

Panorama mit Schafen

Schwumm I

Schwumm II

Panorama mit schönem Baumstamm

Panorama mit Hafenmauerrest in Port Carlisle

We made it!!!

Ave!

Das letzte Stempelböxchen

Ausrangierte Wanderschuhe vor einem B&B in Bowness-on-Solway

Unsere zwei Pässe – mission accomplished!

Carlisle – Burgh-by-Sands

Die Wanderung heute war einfach nur mühsam!

Zuerst holten wir uns den zweitletzten Stempel für unseren Pass ab und wurden bald vom Fluss weg und durch die Stadt geleitet. Dort retteten wir als erstes Dorians Hut, welcher buchstäblich vom Winde verweht wurde und auf einer viel befahrenen Strasse landete.

Danach marschierten wir während etwa zwei Kilometern ebendieser Strasse entlang, bevor wir endlich durch einen kleinen Wald wieder in etwas grünere Gefilde kamen.

Das Grün brachte jedoch auch den Schlamm wieder zurück und wir kamen nur langsam voran, sanken immer wieder ein oder mussten nach Umwegen suchen. Dazu windete es stürmisch und wir mussten aufpassen, dass wir nicht gleich selbst davon flogen – I believe I can fly, oder so…

Bald war der Weg eigentlich unpassierbar. Dennoch kämpften wir uns weiter voran, standen oft tief im Schlamm, kletterten einen Abhang hoch, landeten in den Brennnesseln und wurden dabei von Kühen und Schafen neugierig beäugt. Wir mussten wieder auf eine Umleitung via einer Strasse wechseln. Pause machten wir auf einer Bank unter einem Baum in Beaumont gegenüber einer Kirche, welche direkt auf dem Verlauf des Hadrian Walls steht und aus dessen Steinen gebaut wurde.

Nach einem weiteren Schlamm- und Windmarathon erreichten wir endlich Burgh-by-Sand. Das kleine Dorf erlangte Berühmtheit durch König Edward I. Nachdem dieser einige Monate in Lanercost verbrachte und das Dörfchen dort zur vorübergehenden Hauptstadt Englands machte, starb er im Jahr 1307 in Burgh-by-Sands während einem seiner vielen Kämpfe gegen den schottischen König Robert the Bruce. Allerdings fiel er nicht dem Krieg zum Opfer, sondern erlag der Ruhr. Eine Statue erinnert heute an den König. Sie wurde an seinem 700sten Todestag, am 07.07.07, errichtet.

Den späteren Nachmittag verbrachten wir wieder in Carlisle in derselben Unterkunft wie letzte Nacht. Da der heutige Marsch nicht allzu lang war, blieb uns am Abend noch etwas Energie für einen kurzen Spaziergang durch die Stadt. Wir assen bei einem Griechen und das war so richtig gut!

Morgen geht’s an die letzte Etappe und wenn alles klappt sind wir am Abend am Meer.

Der River Eden am Morgen

Carlisle Castle

Wenn sich der Wanderweg in ein Bachbett verwandelt

Schlammbad

Die Kirche von Beaumont

Edward I in Burgh-by-Sands

Lanercost – Carlisle

Heute war vorallem laaang und mühsam!

Schweren Herzens haben wir am Morgen unser B&B in Lanercost verlassen und uns mit schmerzendem Knie (ich) und beginnender Blase am Fuss (Dorian) auf den 20 Kilometer langen Marsch nach Carlisle gemacht. Es war für den ganzen Tag Regen gemeldet. Dennoch blieben wir bis zu unserer Mittagspause trocken und auch danach blieb es bei Nieselregen. Die häufigen englischen Regenströme haben uns bisher also immer noch verschont. Dafür hat es stark gewindet und wir sanken teilweise knöcheltief im Schlam ein, kletterten über Zäune und hangelten uns an Toren und Gattern entlang (um nicht komplett im Schlamm zu versinken). Schnell voran kamen wir meistens nicht… 

Die (sichtbare) Mauer haben wir bald hinter uns gelassen und sind nur noch ab und zu dem altbekannten Mauergraben begenet, welcher schliesslich auch verschwand.

Kurz vor Carlisle kam dann bereits die Fussgängerbrücke über den Fluss Eden in Sicht, welche das Ende unserer heutigen Etappe darstellte. Unsere heutige Unterkunft liegt nur ein paar hundert Meter dahinter. Die Brücke war jedoch gesperrt und jeder Gedanke an ein illegales Überqueren wurde beim Anblick der massiven Absperrgitter im Keim erstickt. So mussten wir wohl oder übel dem Flusslauf zur nächsten Brücke folgen und nahmen einen Umweg von weiteren drei Kilometern unter die Füsse…

Wir sind erledigt. Unsere Füsse und Beine fühlen sich an wie Blei und auch jetzt, einige Stunden nach der Wanderung, ist keine Besserung in Sicht.

Dafür haben wir in einem italienischen Restaurant in der Nähe sehr lecker gegessen. Und ein paar alte Bekannte wieder getroffen: die vier Amerikaner aus unserem B&B in Lanercost haben sich ebenfalls dort verpflegt und es gab ein freudiges Wiedersehen!

Nun hoffen wir auf eine erholsame Nacht und darauf, dass morgen etwas angenehmer wird…

Birds on a wire zum Start

Das letzte Stück „sichtbare“ Mauer: es wurde einst ausgegraben und später wieder vergraben, da man merkte, dass die Wetterbedingungen für den Stein nicht gut sind.

Panorama mit Fussgängerbrücke

Panorama mit Schafen und KühenAb in den Dschungel

Immer der Nase nach

Panorama mit dem kleinen Flughafen von Carlisle

Panorama mit dem letzten Mauergraben für eine Weile

Greenhead – Lanercost

Die heutigen 14 Kilometer waren wieder etwas flacher. Allerdings sind wir selbst wohl etwas langsamer geworden und brauchten für die Etappe dennoch sechs Stunden (mit Pausen versteht sich). Ob dies nun die Entdeckung der Langsamkeit ist?

Heute hat’s uns auch zum ersten Mal so richtig verregnet. Die gute Nachricht dabei: unsere Regenkleider und die Schuhe sind absolut dicht!

Unterwegs passierten wir die britische Wasserscheide, von wo aus das Wasser auf der einen Seite in die Nordsee und auf der anderen Seite in die Irische See fliesst. Unser Wanderführer meinte an dieser Stelle: „…and after 20m you find yourself in somebody’s vegetable garden. When we walked the HWP (Hadrians Wall Path) last, the trail started at the leeks and led around the strawberries to a stile after 10m.“ Wir starteten heute bei den Kartoffeln und umrundeten ebenfalls viiiele Erdbeeren (ohne Früchte zu dieser Jahreszeit – of course!).

Gewandert sind wir ansonsten – Überraschung! – entlang der Mauer, welche dann irgendwann einer schmaleren Mauer neueren Datums Platz machte und gelangten schlussendlich zurück nach Lanercost in unser neues Lieblings-B&B. Die haben hier sogar ein Gestell, wo man seine Schuhe am Abend hinhängen kann, damit sie über Nacht getrocknet werden und am Morgen schön warm sind! F.A.N.C.Y!!!

Zum Abendessen fuhr uns Tim von unserem B&B in ein Pub, welches für Fussmärsche viel zu weit entfernt gelegen wäre! Zurück fuhr dann eine nette Dame vom Pub selbst, alles im Preis inbegriffen. Wir haben ganz gut gegessen und sind nun müde aber satt wieder zurück.

Morgen setzen wir unsere Wanderung nach Carlisle fort. Die Wetterprognosen sehen schlimm aus und wir hoffen auf wenigstens einige trockene Abschnitte…

Zum Start ein See im Mauergraben

Die Fundamente einer römischen Brücke über einen Fluss, der heute woanders durchfliesst

Die neue Brücke über den aktuellen Flusslauf

So sah es in einem grossen Wachturm (Milecastle) zu Zeiten der Römer aus…

…und das ist heute davon übrig

So sah es in einem kleine Wachturm (Turret) zu Zeiten der Römer aus…

…und das ist heute davon übrig

Panorama beim Mittagessen

Schwümm!

U no meh Schwümm!

Zur Abwechslung mal Wald statt Wiese

Matthews honesty box: hier gibt es Verpflegung für Mensch und Hund gegen den Betrag von einem Pfund pro Artikel und ein Gästebuch dazu. Wir finden, Matthew rockt!

Ein Stück Mauer in der Nähe der Hare Hill Farm. Lange glaubte man, dass es sich hier um das am besten erhaltene Stück Mauer des ganzen Walls handelt – bis man herausfand, dass es im 19. Jahrhundert aus Originalsteinen rekonstruiert wurde.

Panorama zum Feierabend

Die Einfahrt zur Lanercost Priory

Das Innere des vorderen Kirchenteils. Die Anlage war in den langen englisch-schottischen Kriegen stets umkämpft und wurde schlussendlich aufgegeben. Das Dach wurde im 18. Jahrhundert in einem Teil wieder aufgebaut, damit die Anwohner eine intakte Kirchen im Ort haben.

Der hintere Teil der Kirche

Der dazugehörige Friedhof

Schuhtrockengestell im Abbey Bridge B&B